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They never come back

...

 

Lillehammer. Genauer gesagt: Lillehammer 1994. Februar. Olympische Spiele. Skispringen. Großschanze.

Ein Mann in einem absurden hell-orange-weißen Springeranzug klettert auf den Balken. Er richtet seine Brille. Der Blick ist starr nach vorn gerichtet. Automatismen nehmen ihren Lauf. Er stößt sich ab. Die Ski parallel in der vereisten Spur gleitet er den Anlauf hinab.

Dann der Absprung: kräftig. Dynamisch. Die Ski in einem weiten V steht er in der Luft.

Der Mann der da fliegt, ist nicht irgendwer. Er ist dreifacher Weltmeister und hat bereits dreimal die Vierschanzentournee gewonnen. Man könnte von einem ganz Großen auf der Schanze sprechen, aber er ist mehr als das. Er ist ein nationales Heiligtum meines Heimatlandes. Olympiasieger war er auch schon. Aber das ist lange her. Das war noch im Parallelstil, damals in... äh... ja wo eigentlich?

Ich stocke. Dann gehe ich die Orte der letzten olympischen Winterspiele durch. Rückwärts und chronologisch. Verdammt!

„Sapporo.“, murmele ich leise und denke: „Nee...“

Irgendwas passt da nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Spiele 1984 in Europa waren.

Inzwischen hat Weißflog seinen Sprung wie an einer Schnur den Hang hinunter gezogen. Er klappt das V ein und landet. Telemark. Er reißt die Arme hoch. Jubelt. 133 Meter.
...

They never come back. Es ist das eiserne Gesetz des Schwergewichtsboxens das sich auf so viele andere Sportarten anwenden lässt. Und wenn sie doch zurück kommen? Dann sind es Legenden. Helden. Sportler an die wir uns für immer erinnern. Nicht weil wir gesehen haben wie sie siegen, sondern weil wir vorher gesehen haben wie sie verlieren. Dann wird Sport das ganze große Drama. Ein Drama das besser ist, als jeder Blockbuster, weil es so echt ist wie das Leben. Und weil es keine Garantie auf ein Happyend gibt.

Nur noch ein Springer steht oben. Espen Bredesen aus Norwegen, der Führende und Weißflogs großer Konkurrent in jenem Winter. Knapp und in buchstäblich in letzter Sekunde hat er die Vierschanzentournee 93/94 gewonnen. Vor Weißflog. Mit 135,5 Metern ist er im ersten Durchgang ganze sechs Meter weiter gesprungen als der Deutsche. Ein Vorsprung von dem er zehren, auf den er sich verlassen kann. Der norwegische Trainer winkt mit der Mütze und Bredesen stößt sich vom Balken ab. Die Geschwindigkeit am Absprung stimmt. Und dann?

Bredesen springt längst nicht so weit wie Weißflog. 122 Meter. Die Haltungsnoten sind hervorragend. Reicht das? 


Es reicht nicht. Weißflog ist Olympiasieger!

Nach durchwachsenen Jahren vor und nach der Umstellung vom Parallel- auf den V-Stil ist er wieder da. Als erster und bislang einziger Springer gelingen ihm Olympiasiege in zwei verschieden Sprungstilen. Eine Marke für die Ewigkeit? Vielleicht. Vielleicht nicht. Aber eine Erinnerung. An Lillehammer. Eine die bleibt. Für immer.

Stunden später

„Sarajevo!“, schreie ich und schlage mit beiden Händen auf das Lenkrad. „Sarajevo!“ Birte guckt verstört.

...

Olympia 1994 in Lillehammer


Details zu den olympischen Winterspielen in Lillehammer findet man im Internet zuhauf. Ein kurzer prägnanter Abriss findet sich zum Beispiel auf olympia-lexikon.de. Der wikipedia Artikel zu dem Thema ist sehr umfassend.

Wer sich dafür interessiert, was Jens Weißflog heute so macht, kann auf seiner Homepage vorbei schauen.

Dieser Artikel auf zeit.de beleuchtet Olympia im Allgemeinen und die Spiele von Lillehammer gewohnt kritisch.

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