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Das erste Mal



Man stellt sich das ja immer ganz romantisch vor. Am Strand vielleicht. Das Rauschen des Meeres, das einen vollständig umfängt und der Wind der sacht durch die Palmen streicht. Am Himmel funkeln die Sterne und man selbst liegt im weichen Sand, der sich immer noch warm gegen die nackte Haut anfühlt. Vielleicht ist auch der Mond mit von der Partie und lugt verstohlen hinter einer Wolke hervor... Wie dem auch sei, am Ende kommt es ja häufig doch ganz anders. Zum Beispiel, weil noch ein halber Meter Schnee liegt. (Na Bravo!)

Es geht übrigens ums Wildcampen, ich hoffe das ist Konsens! Irgendwie wollten wir das schon längst mal ausprobieren. Ganz allein übernachten, irgendwo mitten in der Natur und weitab der Zivilisation. Nur getraut haben wir uns bisher noch nicht. Warum eigentlich? Gute Frage. Wahrscheinlich hatten wir einfach Angst.

Am 16. Mai ist das anders. Zwei Tage zuvor haben wir unsere Zelte in Trondheim abgebrochen und befinden uns nun ein Stück nördlich von Mo i Rana, am Fuße des Svartisen Nationalparks. Es ist längst Zeit nach einem Platz zum Übernachten zu suchen, aber weder das Navi, noch unser Reiseführer zeigen in unmittelbarer Nähe einen Campingplatz an. Auf einem Hinweisschild ist ein Campingplatz ziemlich in der Nähe des Eingangs zum Nationalpark angezeigt. Es ist die beste Option und da wir am Tag darauf zum Gletscher Svartisen wollen, liegt es sogar auf unserer Route.

An einem kleinen Flugplatz vorbei folgen wir den Schildern in Richtung Nationalpark. Das ist alles schon sehr abenteuerlich. Die Straßen sind eng und mit Schlaglöchern übersät. Natürlich sind wir um diese Jahreszeit allein unterwegs. Keine Touristen. Die wenigen Einheimischen, die uns so nah am Nationalpark noch begegnen schauen uns ungläubig hinterher.

Wir folgen einem Flusslauf in dessen Mitte immer mal wieder ein paar beachtliche Eisschollen treiben. Frühling in Mittelnorwegen. Irgendwann biegt die Straße scharf nach rechts in die Berge. Von einem Campingplatz keine Spur. Als nach einer Weile auch diese Straße zu Ende ist und wir vor einer tief verschneiten Matschpiste stehen, wird uns klar, dass wir unseren Besuch am Gletscher wohl werden verschieben müssen.

Was also tun?

Auf der Straße zurück. Stand da nicht irgendwo in einer Haltebucht ein norwegisches Wohnmobil? Ja, genau. Da vorne. Und genug Platz, damit wir uns dazu stellen können, ist auch noch. Wildcampen ist in Norwegen außerhalb von Nationalparks und Privatgrundstücken grundsätzlich erlaubt, trotzdem haben wir Angst etwas falsch zu machen. Dass das Wohnmobil neben uns verlassen ist, trägt auch nicht unbedingt zum Wohlfühlen bei. Auf der anderen Seite: Irgendwann müssen wir uns ja mal trauen.


Die Angst und die Unruhe verfliegen allerdings schnell, als wir die spektakuläre Natur auf uns wirken lassen. Wir stehen in einer Art Schlucht und blicken direkt auf einen noch immer tief verschneiten Berghang. Etwas unterhalb unseres Platzes tost ein durch die Schneeschmelze angefachter Fluss. Nur ein kleines Stück den Fluss hinab und unserem Platz gegenüber weitet sich das Tal ein wenig. Dort stehen Birken und verkrüppelte Nadelbäume im knietiefen Schnee. Der Anblick ist unbeschreiblich und schreit geradezu nach einem Elch, der auf die Lichtung tritt, den Kopf in den Nacken legt und ein tiefes Röhren durch den Wald schickt.

Nachdem Emil im Bett ist, verbringen wir den Abend mit Lesen. Immer wieder lassen wir unsere Blicke über den Schnee schweifen. Obwohl es haufenweise Spuren im Schnee gibt, gelingt es uns nicht ein Tier zu erspähen. 

Das gleichmäßige Rauschen des Wassers wiegt uns in den Schlaf und die kalte, klare Luft trägt das Ihrige zur Erholung bei. Als wir am nächsten Morgen erwachen, können wir immer noch nicht so richtig begreifen, die Nacht an einem derart ruhigen und abgelegenen Ort verbracht zu haben.

Noch mehr erste Male findet ihr auf sweetsixty.de in einer Blogparade zu diesem Thema


Links


Informationen rund um den Svartisen Nationapark findet ihr auf der Hompage des Nordland Nasjonalparksenter

Tipps und Tricks zum Campen und Wildcampen in Norwegen findet ihr zum Beispiel bei norwegen-camping.com oder auch bei unterwegens.de. Über mögliche Risiken beim Wildcampen informiert norwegenservice.net, allzu viele sind es allerdings nicht.

Mehr Norwegen 

 


Trondheim

Alte Holzhäsuer, eine der schönsten Kirchen Europas und Kaffee mit Blaubeeraroma. 
Auf der Atlantikstraße

Unsere Erlebnisse auf einer der schönsten Autorouten der Welt.  

Kommentare

  1. Hallo Tim,

    ich bin gerade über den Blogger Kommentier Tag auf deinen Blog gestoßen und musste bei der Einleitung und der zugehörigen Auflösung dann erstmal lachen! Mir gefällt dein Stil zu schreiben super! Werde ihn mir definitiv einmerken! :)

    Zusammen mit meiner Freundin habe ich heute auch einen Reiseblog ins Leben gerufen bzw. diesen online gestellt. Unter http://travelpotatoes.com finden sich (nach und nach) gesammelt unsere Reiseberichte.

    Viele Grüße

    Korbinian

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  2. Hallo Korbinian,

    vielen Dank für das positive Feedback :-). Ich bin auch gerade dabei mich durch alle möglichen Blogs zu klicken. Bei eurem bin ich aber noch nicht angekommen. Ich wünsche euch trotzdem schon mal viel Spaß und Erfolg beim Bloggen :-)

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