Folge uns auf facebook

Auf der Atlantikstraße



Hinter Lillehammer schieben wir uns die E6 hinauf. Die Landschaft wird immer karger. Kaum ist man mal 10 Minuten bergauf gefahren, schon sagt der Frühling auf Wiedersehen und der Winter streckt einem frech die Zunge heraus. An den Bäumen ist kein einziges Blatt. Nicht der Hauch von Grün. Kahl und grau biegen sich die Birken im Wind.

Als wir Dombås erreichen verlassen wir die E6 und fahren durch das Romsdal. Bereits morgens bei der Abfahrt haben wir eine Gruppe Elche gesehen. Allerdings haben wir sie zunächst für Pferde gehalten. Hässliche Pferde. Wirklich sehr, sehr hässliche Pferde.



Von hinten plärrt uns das Känguru sozialistische Parolen entgegen, als wir durch das verregnete Romsdal rollen. Am Fenster zieht die morastige Landschaft vorbei und es passiert... nichts. Nach dem stressigen Beginn unserer Tour ist das irgendwie angenehm. Es herrscht auch kaum Verkehr. Nur ab und zu begleitet uns ein rotes Auto der norwegischen Post. Birte fährt und ich habe de Füße auf das Armaturenbrett gelegt. Es herrscht eine Stimmung in der man anfangen könnte zu philosophieren. Aber dafür müsste man philosophieren können.

Nach einer Übernachtung auf einem kleinen Campingplatz kurz hinter Åndalsnes machen wir uns auf in Richtung einer der schönsten Straßen der Welt: die Atlantikstraße. Die Atlantikstraße, der Norweger sagt Atlanterhavsvegen, erstreckt sich von Vevang in der Kommune Eide bis nach Kårvåg auf der Insel Averøy und ist 8274 Meter lang. Das sind nur 174 Meter mehr als die Strecke von Dardesheim nach Mulmke.



Trotzdem landete die Straße auf der Hitliste der fünf besten Roadtrips der britischen Zeitung The Guardian ganz oben. Darüber hinaus wurde die Atlantikstraße 2005 zum norwegischen Bauwerk des Jahrhunderts gewählt. Nur 58 Jahre vor der Erfindung des Warpantriebs durch einen gewissen Zefram Cochrane. Die Älteren werden sich erinnern. Oder sich nicht erinnern. Vielleicht, weil sie es vergessen haben. Oder weil sie noch gar nicht geboren wurden. Das ist in diesem Zusammenhang egal. Ganz schön krass jedenfalls für eine Strecke, die nur etwa anderthalb mal so lang ist wie der Weg von Heudeber nach Zilly (über Mulmke).

Wie kann das nun angehen? Ich erklär's euch Kinder.



Auf den gut acht Kilometern überwindet die Atlantikstraße ganze acht Brücken mit einer Gesamtlänge von 891 Metern. Also in etwa 1,4 mal so lang wie die Enterprise NCC 1701 D. Das sind doppelt so viele Brücken, wie ein Elefant Füße hat. Die größte dieser Brücken (sechs mehr als ein Dreirad Räder hat, wenn ein Rad geklaut wurde) ist die Storseisund-Brücke mit einer Länge von 231 Metern. Das ist eineinhalb mal so lang, wie Jumbo Schreiner schwer ist. Hinzu kommt, dass diese Brücke 23 Meter hoch ist. Das ist exakt Pi mal Daumen (für 7.321127382227186 Meter lange Daumen). Wer so lange Daumen hat, weiß ich nicht. Vielleicht Jumbo Schreiner. Ferner sieht die Brücke aus, wäre sie von einer nordatlantischen Störfront persönlich in Form gebogen worden. Oder mit Mjölnir. Oder von Jumbo Schreiner.



Das Fahren auf dieser Strecke ist etwas ganz Besonderes. Noch dazu mit dem Wohnmobil. Dank der erhöhten Sitzposition kann man bequem über die Leitplanken hinweg und hinunter auf das tosende Meer schauen. Mitunter ganz schön unheimlich.

Inmittten der imposanten Natur, die ja neben der Straße auch noch da ist, gibt es einen kleinen Rastplatz, auf dem wir unsere Mittagspause verbringen. Anschließend umrunden wir zu Fuß einen der vielen Felsen. Wir gucken auf den Atlantik (worauf auch sonst?), der entgegen den Bildern aus dem Internet ganz friedlich da liegt. Ist vielleicht auch besser so. Man stelle sich vor: Man fährt über eine Brücke (insgesamt sind es übrigens acht, man muss also über eine Brücke mehr gehen, als Peter Maffay, aber der ist ja auch noch klein) und dann kommt der Brecher und zack! Wird man weggespült. Komplett. Mit Wohnmobil. Und dann steht man da. Pudelnass und hat keine Ahnung, ob das die Versicherung bezahlt.



Wir machen noch ganz, ganz viele Fotos und dann geht’s weiter. Nächster Stopp: Trondheim.


Links

Die Atlantikstraße auf visitnorway.com. Noch mehr Informationen und auch jede Menge Zahlen gibt es auf norwegenservice.net

  Mehr von unterwegs

 

They never come back

Hat der Norweger einen Berg zur Hand (und er hat viele zur Hand), baut er eine Schanze dran.

Das ist Schweden

Wenn wichtiges Equipment verloren geht, müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden.

 

Kommentare

  1. Oh, wie toll. Die Atlanktikstraße ist mein absoluter Traum. Ich würde wahrscheinlich mehrmals hin- und wieder züruckfahren... wenn ich mal da wäre. Liebe Grüße, Stefanie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Stefanie,

      der Besuch dort lohnt sich wirklich. Nicht nur wegen des Fahrens. Auch die Landschaft "drumrum" sind absolut beeindruckend. Und mittlerweile gibt es ja auch keine Maut mehr. Du kannst also so oft hin und her fahren wie du willst ;-)

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Das könnte Dich auch interessieren

Fast echte Wikinger zum Anfassen

Wohnmobilstellplätze in Nordfrankreich (...und auf dem Weg dorthin)