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Von Grenaa nach Varberg


Der Prolog ist vorbei - die Tour beginnt


Wir stehen mit unserem Wohnmobil vor dem Ticketbüro der Stena Line in Grenaa und blicken ungläubig aus dem Fenster. Die Regentropfen fegen fast senkrecht über den Parkplatz und in einiger Entfernung klatscht die Ostsee in imposanten Brechern gegen die Kaimauer. Wir wollen mit der Fähre nach Schweden. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt das stürmische Wetter der letzten Tage seinen Höhepunkt erreicht.

„Soll ich da jetzt rausgehen?“, frage ich.
„Wer denn sonst?“, sagt Birte. „Emil?“

Guter Punkt. Also ziehe ich meine Regenjacke über und stapfe mutig ins Ticketbüro, um mich nach Plätzen und Preisen für die Überfahrt zu erkundigen. Es wären sogar noch Plätze frei sagt man mir. Ich blicke aus dem Fenster und erkundige mich mal lieber wie es am Tag darauf aussieht. Da sei auch noch was frei. Im Grunde genommen, erklärt man mir, sei eigentlich immer was frei. Nebensaison.


Wie es denn mit dem Wetter aussähe, frage ich, während am Ticketschalter nebenan ein LKW Fahrer aus dem Baltikum versucht den genauen Inhalt seiner Fracht zu verschleiern. Schlimmer könne es wohl kaum werden, sagt die nette Frau. Da hat sie recht und so entschließen wir uns die Überfahrt um einen Tag zu verschieben. 

Mit dem Wohnmobil auf die Fähre


Vor dem Einschiffen am nächsten Tag bin ich schon irgendwie nervös. Klappt das alles mit dem Wohnmobil? Habe ich die etwas gewöhnungsbedürftigen Regeln für unser Gas auch korrekt eingehalten? Immerhin habe ich erst verstanden, was ich tun soll, nachdem ich die englische Anleitung gelesen habe. Sind die Gasflaschen auch wirklich zu? Das und vieles andere geht mir durch den Kopf, während wir warten und sich nebenan die Brummis aufreihen.
Auf dem Sonnendeck.
Am Ende geht dann aber doch alles ganz schnell. Ich parke das Wohnmobil zwischen einem LKW und einem Reisebus und ehe wir uns versehen sitzen wir auf dem Sonnendeck und trinken Kaffee. Emil sitzt im Bondolino und schläft. Zu allem Überfluss scheint tatsächlich auch die Sonne. Zumindest in Bezug auf das Wetter haben wir alles richtig gemacht.

Fürwahr, man versteht sich auf eine gute Komödie im Staate Dänemark. Man nehme nur einen gewissen Egon Olsen und seine Spießgesellen, welche auf der Leinwand von einer tolldreisten Schelmerei in die nächste stürzen. Und so wurden auch wir Zeuge eines Vorfalls, der nicht zuletzt aufgrund seiner tollpatschigen Unbeholfenheit, schon beinahe wie einstudiert wirkte. Wir standen auf dem Sonnendeck unserer Fähre und beobachteten eine Gruppe junger Männer, die - ein jeder eine Angelrute in der Hand - den Kai entlang schlenderten und sich in einem fort gegenseitig neckten, bis einer von ihnen, dick, dümmlich und rothaarig wie er nun einmal war, die Geduld verlor und seine Kumpanen, welche nun vor ihm davon liefen, verfolgte. Doch war sein Lauf ebenso kurz wie seine Beine, die sich um eine umgestürzte Tonne voll Unrat wickelten, woraufhin er zunächst das Gleichgewicht und gleich im Anschluss auch noch die Beherrschung verlor. Doch als sei das nicht genug führte er nun fluchend, tretend und schlagend einen Veitstanz um die Tonne auf, bei dem er sich wie ein Rumpelstilzchen gebärdete und zu allem Überfluss auch noch seine Hose verlor. Welch amüsantes Schauspiel!

[Auszug aus Rogers Reisetagebuch]

Das innere der Fähre ist unspektakulär. Es gibt diverse Cafès und eine Truckerlounge in die ich mich verirre und in der sich alle – wirklich alle – LKW Fahrer erstmal ein Bier gönnen. Ist ja auch teuer in Schweden. Prost. Den Großteil der Überfahrt verbringen wir im Kinderspielzimmer. Da gibt es ein großes Schiff zum Spielen, eine Rutsche und eine Legokiste so groß wie ein Sandkasten. Herrlich! Und der erste Vorgeschmack auf das kinderfreundliche Schweden. Das Beste aber ist, dass wir dort ganz allein sind. Wirklich ganz allein. Anfang Mai fährt eben kaum jemand nach Skandinavien. Warum eigentlich nicht? Komisch.

Entschleunigung für Anfänger


Gemächlich gleiten wir über die Ostsee vorbei an Offshore Windparks und Containerschiffen. Ich kann mir nicht helfen, aber Reisen auf einem Schiff ist immer etwas Besonderes. Vielleicht ist es die Langsamkeit in Kombination mit der Weite des Ozeans, die dieses ganz besondere Gefühl auslöst. Entschleunigung nennt man das wohl. Bevor wir anlegen decke ich mich (wie die LKW Fahrer aus der Truckerlounge) noch mit einer Palette Dosenbier ein. Zum Entschleunigen. Sicher ist sicher. 

Als wir gut viereinhalb Stunden später von der Fähre rollen und schwedischen Boden unter den Rädern haben, spüre ich zum ersten Mal dieses Gefühl von Freiheit, das mich noch acht Wochen begleiten sollte und mir wird schlagartig klar: Der Prolog ist vorbei, die Tour beginnt.


Vorherige Posts


Über Bremen ins südliche Dänemark (Teil 1)
Über Bremen ins südliche Dänemark (Teil 2)

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