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Die Felszeichnungen von Tanum

Preiselbeeren sind Teil des Problems, nicht der Lösung


Urlaub in Schweden ist wie ein Besuch bei ikea, denke ich, komme dann aber nicht so richtig weiter. Also mit Denken. Das liegt daran, dass mich stereotype Situationen immer überfordern. Wenn zum Beispiel amerikanische Familien am Straßenrand stehen und auf Blechdosen schießen, oder Asiaten mit zehn Köpfen Chinakohl unterm Arm aus dem Biomarkt kommen, dann macht mich das tendenziell etwas ratlos. Also von vorn: Schweden ist wie eine Portion Köttbullar... [Was mit Pommes] ... Nee, auch nix. Ich gucke frustriert auf meinen Teller. Preiselbeeren. Warum in aller Welt Preiselbeeren?

Eine gründliche Inspektion unseres Gepäcks hat ergeben, dass folgendes fehlt: ein Teekessel, eine Kasserolle und eine Tasse. Eine aus Porzellan. Seit über einer Woche schlürfe ich meine Heißgetränke aus einem Melaminbecher. Das ist als würde man aus einem Zahnputzbecher trinken. Immer. Das ist furchtbar. Wie furchtbar? Ganz furchtbar. Wirklich ganz, ganz, ganz furchtbar.

Optimierungsbedarf. Beim Gepäck.


Wir haben uns entschieden all diese Dinge bei einem bekannten schwedischen Inneneinrichter mit vier Buchstaben (Es ist nicht Ingo!) zu besorgen. Der Vorteil: man ist, was Preis und Qualität angeht, auf der sicheren Seite, weil man das vorher in etwa abschätzen kann. Jetzt sitzen wir also im Restaurantbereich und essen Fleischbällchen mit Soße. Um uns herum lauter Schweden, die auch Köttbullar essen. Gibt's doch gar nicht! Ich dachte immer das gäbe es nur in der ikea Werbung. Man lernt nie aus.

Nach dem Mittagessen fädeln wir unser Gespann auf die E6 Richtung Norden ein. Unser Ziel: die Felszeichnugen von Tanum. Die sind schon über 3000 Jahre alt, stammen aus der Bronzezeit und sind immerhin Weltkulturerbe der Unesco.  Obwohl die Zeichnungen angeblich jedes Jahr von Hundertausenden heimgesucht werden sind wir  allein, als wir zwischen den Ritzungen umher schlendern. Zwar scheint die Sonne, aber es ist windig und kühl. Langsam aber sicher dämmert mir, warum der Mai bei Skandinavienreisenden eher mittelmäßig beliebt ist.

Schwedische Felsritzungen von früher...


Viele der Motive zeigen Schiffe. Laut Internet und dem kleinen Prospekt in unseren Händen ist das ein Symbol für eine Reise. Passt ja ganz gut. Auch für die Reise ins Reich der Toten. Das passt jetzt eher weniger.


Neben Schiffen dominieren vor allem Jagdszenen und Bilder von Tieren. Elche, Rentiere, Bären. Dinge eben, welche die Menschen in ihrem Alltag beschäftigen. Vom gebräuchlichen Namen Felszeichnungen, sollte man sich im Übrigen nicht täuschen lassen, denn die Bilder sind nicht etwa auf den Fels gemalt, sondern in den Fels geritzt. Das dauert zwar länger, ist aber auch deutlich haltbarer und bleibt der Nachwelt als Zeugnis erhalten.

...und deutsche Polizisten von heute


Man kann es so sagen: Wenn die - gerade in Großstädten - allgegenwärtige Information, alle Polizisten seien rechtlich anerkannte, aber uneheliche Kinder, schon längst vom Zahn der Zeit (oder dem Hausmeister) entfernt wurde, werden die Felsritzungen von Tanum immer noch da sein.
Die Ritzungen waren übrigens früher, also damals, also in der Bronzeit, nicht rot. Sie sind jetzt rot, weil sich die Mitarbeiter des Museums viel Mühe beim Ausmalen machen. So sind die Figuren für die Besucher auch einfacher zu finden und man vermeidet enttäuschte Reisegruppen, die vor dem Fels stehen und sich fragen, wo sie denn nun eigentlich wären, die berühmten Felszeichnungen von Tanum.



Etwas oberhalb der Felsritzungen gibt es noch zwei größere Steinhaufen, ebenfalls aus der Bronzezeit, die man nach einem kurzen Aufstieg erreicht. Von dort oben hat man einen tollen Ausblick über die gesamte Ebene und die Gegend läd zum Wandern ein. Wenn man das vorhat sollte man entsprechend Zeit mitbringen. Leider haben wir die nicht. Essenszeit.



Auf der Suche nach einem schönen und vor allem ruhigen Stellplatz landen wir auf schließlich im Daftö Camping Resort. Jaja, ihr habt richtig gelesen. Resort. Das ist auch nur zu ertragen, weil gerade Nebensaison ist und sich außer ein paar Dauercampern kaum jemand hierher verirrt hat. Wie es hier in der Hauptsaison aussieht, möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Weil die Sonne scheint, kann ich abends noch ein bisschen angeln. Ich fange zwar nichts, aber ich mache ein paar nette Fotos am Wasser. Dann geht’s ab in den Alkoven. Es ist noch weit bis zum Nordkap.




Links

 

Bei wikivoyage gibt es ziemlich detaillierte Informationen zu den Felsritzungen von Tanum und auch zur An- und Abreise.

Bei enjoysweden.se und vastsverige.com findet man ebenfalls Infos zu den Felsritzungen. 

Zu einer netten Panoramadarstellung der Schiffszeichnungen gelangt ihr wenn ihr diesem Link folgt.

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Gentrifizierung und Skagenröra an der schwedischen Westküste.







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Bericht über unsere Überfahrt vom dänischen Grenaa nach Varberg in Schweden.

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