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Deus ex machina

Über Bremen ins südliche Dänemark (Teil 2)


Eigentlich ist es noch ein bisschen früh in der Geschichte, um einen deus ex machina auftreten zu lassen. Das müsste später kommen. Und die Situation müsste verfahrener sein. Zum Beispiel so: Ich hänge am Nordkapfelsen und halte mich mit nur zwei Fingern fest. Warum ich da hänge? Ja... das weiß ich jetzt auch nicht so genau... Ich könnte abgerutscht sein... oder ein Bär, oder ein Elch ... oder so??? Na jedenfalls, ich hänge da und dann kommt auch ganz dramatische Musik und so. Und dann: Kameraeinstellung von oben auf mein Gesicht. Ich gucke total angestrengt. Und da-hann... 
Nordkapfelsen. Dass ich da dran hänge muss man sich denken.
Nee, halt! Erst passiert noch was Anderes. Ein Schnitt nämlich. Auf ein Häschen. Ein blaues. Das sitzt so rum und mümmelt teilnahmslos an einem blauen Blumenkohl. Schnitt. Eine serbokroatische Volkstanzgruppe. Schnitt. Ein Zug fährt in einen Tunnel. Schnitt. Eine Rakete startet. Schnitt. Eine alte Frau sitzt an einem Holztisch und schält Rüben. Schnitt. Winnetou.

Und erst dann: Schnitt auf mein angestrengtes Gesicht. Meine Finger in Großaufnahme. Dramatische Musik. Also wirklich ganz, ganz dramatische Musik. Was von Andrea Berg zum Beispiel. Man sieht wie meine Finger sich vom Felsen lösen. Dann kommt, was kommen muss...

Batman! Der kommt mit einem fliegenden Moped (oder so...) vorbei und bringt mich in Sicherheit. Wir küssen uns. Es schmeckt nach Leder (Batman halt, willste machen?). Die Kamera zoomt raus. The End. Fin. Ganz großes Kino. Ein Blockbuster. Der Vorhang fällt. Das Publikum steht auf und geht mit einer Träne im Knopfloch nach Hause.

Die Sache mit den Schlafplätzen


Nun gut. Jetzt ist mein Leben aber kein Blockbuster. Dennoch gibt es in dieser Geschichte einen deus ex machina. Das kam so: Bereits in der ersten Nacht wurde klar, dass die angedachte Verteilung der Schlafplätze (Emil im Alkoven, Birte und ich hinten im Bett) so nicht funktionieren würde. Das liegt im Wesentlichen daran, dass das Fangnetz am Alkoven Emil nicht hält. Also zackzack die Schlafplätze umverteilt. Ich im Alkoven und Birte mit Emil hinten im Bett. Das allerdings wirft ein weiteres Problem auf: das Bett im Hinterteil des Wohnmobils verfügt über keinerlei Sicherung gegen das Herausfallen. 

Alles bombenfest: Die Platte in Aktion


Im Klartext bedeutet das: entweder einer von uns geht gemeinsam mit Emil ins Bett oder wir müssen permanent ein Ohr bei ihm haben. Entspannte Abende sehen anders aus. Doch Rettung naht und zwar in Person von Frau K., die mal eben einen kurzen Text in ihr Telefon tippt.

Oh Styropor, du wunderbarer Werkstoff!

Am folgenden Tag stehen wir vor einem kleinen Haus mit einem schönen Garten und werden herein gebeten. Kaum sind wir drin, durchstöbern die Besitzer auch schon ihren Fundus und kehren nach kurzer Zeit mit einer Styroporplatte zurück. Die könnte man so am Bett festklemmen, dass Emil da nicht raus kann. Der Vorteil des Materials liegt auf der Hand, Styropor ist leicht. Dennoch bleibe ich skeptisch. Was wenn die Platte bricht? Zum Beispiel weil Emil sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen lehnt.

Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Eine Leiste soll für die notwendige Festigkeit sorgen. Ich kann bei der Bearbeitung leider nur Handlangerdienste leisten, aber trotzdem ist die Konstruktion schon nach kurzer Zeit fertig. Und superstabil! Ehe wir uns verabschieden sitzen wir noch zusammen im Garten, bestaunen denselben und erzählen von unserer geplanten Tour.

Die Konstruktion hält. Ein Grund zum Feiern.

Ein Stück weit ist das vielleicht das Wesen einer solchen Reise. Man trifft Menschen, mit denen man vorher nicht gerechnet hätte. Und die haben dann interessante Geschichten zu erzählen. Oder sie helfen, obwohl sie einen gar nicht kennen. Deus ex machina eben. Die Besitzer des kleinen Häuschens mit dem schönen Garten, waren auf unserer Reise in den hohen Norden die ersten. Und eines steht fest: ohne sie - und natürlich ohne Frau K. - wäre die Tour anders verlaufen.

To do: Details über das fliegende Moped besser raus arbeiten.


Links


Über Bremen ins südliche Dänemark (Teil 1)

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