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Wie ich den Passierschein A 38 erwarb

Klein, unscheinbar, schwierig zu bekommen: Der Passierschein A 38.
­In Brasilien ist alles kompliziert: Einkaufen ist kompliziert. Wechselgeld bekommen ist kompliziert. Und ein Busticket kaufen ist sehr kompliziert.
Dabei ist alles ganz einfach: Ich will nur am Mittwoch mit dem Bus von Rio nach Foz de Iguacu fahren. Dafür brauche ich ein Ticket. Das kann man online bestellen, wenn man sich denn traut. Dafür muss man nur seine Kreditkartendaten in Felder eintragen, die ausschließlich in Portugiesisch beschriftet sind. Äh... nö!
Also anders. Ticket bar bezahlen.


Eine Odyssee in Copacabana


Als erstes habe ich mal an der Hotel Rezeption gefragt, wo man mir eine Touristenagentur empfahl, die ganz in der Nähe sei und mir vielleicht helfen könne usw.
Also Schlappen an und zur Agentur gelaufen. Dort wurde ich immerhin verstanden, sehr gutes Englisch, das muss man den beiden lassen. Allerdings, hieß es, könne man mir nicht helfen, aber da und da sei eine andere Agentur und die verkaufe Bustickets für alle Busunternehmen und das würde nur einen Real kosten und überhaupt. Freundlich, wie der Mann war malte er noch große Kreuze in meine Karte. Ich war ein wenig euphorisch, hätte es aber besser wissen müssen. Noch nie hat ein X auf einer Karte einen bedeutenden Punkt markiert.
So war es dann auch. Etwa eine Stunde Zirkulation durch Copacabana, Erfolg gleich Null. Internet Recherche? Fehlanzeige. Den Laden gibt’s wohl nicht mehr. Vielleicht gab es ihn nie. 

Mit dem Taxi zum Busbahnhof...

 
Also Option Nummer zwei: Direkt zum Busbahnhof. Ich nenne das jetzt mal so, obwohl es die Realität nicht im geringsten trifft. Man muss sich das eher wie ein Flughafen für Busse vorstellen. Hinkommen ist allerdings das Problem, zumindest wenn man auf ein Taxi verzichten und nicht ausgeraubt werden möchte.
Ganz ohne Taxi ging es dann doch nicht, aber zumindest teilweise. Mit der Metro zum Konferenzzentrum, einen Taxifahrer angequatscht, mit Händen und Füßen den Preis erfragt und los!
Zwischendurch habe ich mal überlegt zu laufen, aber es stellte sich doch schnell raus, dass ein Taxi die gesündere Alternative war. Es sei denn man möchte es dem Kollegen gleichtun, der auf der Schnellstraße auf den Leitplanken balanciert ist. Das Land das Verrückte macht.
Nun gut, die Hinfahrt kostete 4 EUR. Alles okay. Allerdings liegt der Busbahnhof in einer gewöhnungsbedürftigen Gegend. Zumindest für mitteleuropäische Verhältnisse. Mein erster Gedanke: Hier kannste nich’ aussteigen, hier wirste erschossen!
Ich bin dann doch ausgestiegen. Eine Wahl hatte ich ja auch nicht. Im Busbahnhof, dann inmitten des ganzen Gewusels und Getümmels schnell den Schalter des Busunternehmens lokalisiert. Puh!

... Und auch wieder weg


Ein Ticket kaufen ging dann doch viel reibungsloser als erwartet. Platz Nummer 13 im 8 Uhr Bus nach Foz do Iguacu. Alles super. Aber jetzt: Wieder wegkommen vom Busbahnhof. Freundlicherweise empfahl man mir den Bus zu nehmen. Welchen? Na den oder den oder den. Und wo fährt der? Na da und da. Aha. Gar nicht sooo kompliziert.
Aber: Es gibt in Rio keine Netzpläne. Man weiß einfach welcher Bus wohin fährt, wann er fährt und wo er hält oder eben nicht. Dann hat man Pech und muss entweder am Busbahnhof versauern oder ein Taxi nehmen. Aber das ist auch nicht so leicht. Denn ein Taxi vom Busbahnhof zum Konferenzzentrum kostet plötzlich das Dreifache. Ohne Taxameter natürlich. Willkommen in Brasilien.
Protestieren? Kann man ja mal versuchen.
Ja, hieß es dann, es gäbe so viele Baustellen und Transit, alles wegen der Weltmeisterschaft und überhaupt. Achachach.
Dafür hatte ich auf der Fahrt dann jede Menge Unterhaltung. Völlig selektives Sprechen fremder Sprachen. Also meinerseits. Immerhin konnte ich dem Fahrer erklären, dass der FC Bayern ein Fußballclub aus Deutschland ist. Und das Luiz Gustavo und Dante da spielen. Allerdings hätte ich lieber das Vokabular für eine anständige Beschwerde zu Hand. Naja, egal.
Der Fahrer hatte auch so seine Meinung zum Fußball: Neymar gehe zum FC Barcelona, und Neymar sei ja überhaupt der beste und Barcelona auch. Meine Antwort in quasi perfektem Portugiesisch: Naja, also die Bayern hätten ja immerhin die Champions-League gewonnen und die Liga auch und den Pokal auch. Aha. Bier bestellen und über Fußball reden geht quasi instantan.
Zurück am Zentrum, dann die Einsicht, dass man eben südamerikanische Gelassenheit braucht. Was immer das sein soll. Vermutlich ist das nur ein Selbstschutzmechanismus, der die Menschen hier davor bewahrt völlig wahnsinnig zu werden. Man hat ja doch keine Wahl, als auszuharren und darauf zu hoffen, dass man den Passierschein A 38 doch noch bekommt. Vielleicht.
Ich glaube südamerikanische Gelassenheit ist kompliziert.
Alles ist kompliziert.

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