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John ist an allem Schuld!


Hilft bei Schlafstörungen, berauscht, tötet. Je nach Bedarf.



Etwa zwei Stunden von Cuenca entfernt – zweieinhalb wenn John dabei ist - liegt Ingapirca. Dabei handelt es sich um die bedeutendste archäologische Stätte von ganz Ecuador. Hier waren die Inka am Werk.
Von Cuenca aus gehen zweimal am Tag Busse dorthin und laut Reiseführer auch zweimal am Tag wieder zurück. Man bezahlt 2,50 $, setzt sich in einen Bus und schon geht die Reise los. Unterwegs die obligatorischen Stopps. Allerhand Volk steigt ein und aus und fliegende Händler bieten ihre Waren feil. Je näher man Ingapirca allerdings kommt, desto größer wird der Anteil an Touristen im Bus. Dieser verfügt natürlich über keine Toilette, was dazu führt, dass John, ein irgendwie spackig aussehender US-Amerikaner, nach zwei Stunden seinen großen Auftritt hat. Am letzten planmäßigen Halt vor Ingapirca springt er aus dem Bus, der daraufhin einfach noch eine Runde um den Pudding dreht. Verwirrung im Bus. Wo ist John? Der ist offensichtlich aus- aber nicht wieder eingestiegen. Ach, du liebe Güte!
Aber nicht mein Problem. Wer in Südamerika den Bus vor dem Ziel verlässt, muss sehen wie er klarkommt. Am Ziel übrigens auch.

Blick auf die Überreste des Sonnentempels.
 
Dann doch noch Erleichterung John kommt – was für ein Wunder! – auf der anderen Seite des Gebäudes einfach wieder raus. Ansage von Johns Begleitung: Pinkelpause. Seit wann hat die was zu sagen? So, und anstatt jetzt alle auf einmal zu gehen, wird gekleckert (also im übertragenen Sinn) und ich entwickle einen unglaublichen Hass auf John. Grrrrr.
Vor allem aber muss ich plötzlich auch pinkeln. Wenn man drüber nachdenkt ist es ja in der Regel direkt soweit. Ich will aber nicht! Irgendwo vorne stand ein Schild, dass es bis Ingapirca noch 16 km sind. So lange wird’s wohl gehen. Nach Ingapirca gibt es aber keine asphaltierte Straße, sondern nur einen besseren Feldweg, auf dem es unfassbar rumpelt. Mit jedem Huckel wird mein Harndrang (so wohl der medizinisch korrekte Begriff) schlimmer. Klar rumpelt ja. Und von Ingapirca keine Spur. Irgendwann der Gedanke: Was tun wenn’s zu spät ist? Klare Sache: Sollte meine Hose nass werden, muss John mir seine geben. Ist schließlich alles seine Schuld.
Naja, ums kurz zu machen: Ich schaffe es bis Ingapirca und da sogar noch aufs Klo.
In Ingapirca nehmen wir an einer Tour teil, die im Eintritt zu den Ruinen inbegriffen ist. Der Guide gibt sich auch alle Mühe uns die verschiedenen Stätten zu erklären, aber genießen kann ich es nicht. Dafür geht mir eine unfassbar seltsame Familie aus Holland viel zu sehr auf den Keks. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich gehöre nicht zu denen die beim Länderspiel Deutschland – Holland jedesmal die Weltkriegsrhetorik auspacken. Familien aus dem Schwarzwald sind mit Sicherheit genauso nervtötend, aber diese kommt nun mal aus Holland. Und dann ist da natürlich noch John. Macht zusammen sechs Gründe weshalb ich Touren hasse.
Noch mehr Eindrücke von Ingapirca.

 
Als die Tour dann vorbei ist, kann ich mich doch noch an Ingapirca und vor allem an der tollen Landschaft erfreuen. Überall kleine Bauernhöfe mit Schweinen, Kühen, Hühnern und manchmal sogar Pferden. Und mittendrin die Ruinen.
Nach einem Snack, man kann wohl sehr lange nur von Wasser und Chifles leben, machen wir uns noch auf den Weg, um uns das Gesicht des Inka anzuschauen. Dazu läuft man zuerst an den Bauernhöfen vorbei und steigt dann ein Stück weit in ein sehr schönes Tal hinab. Das Gesicht des Inka ist ein Fels. Und ein Fels ist ein Fels ist ein Fels ist ein Fels. Aber das Tal ist wirklich nett. Schön ruhig und abgeschieden. Hier kann man es aushalten. Keine Holländer. Kein John. Hervorragend.

Wenns windet, ist es sehr kalt in Ingapirca.




Irgendwann klettern wir dann wieder nach oben, trinken etwas und warten auf den Bus, der um 15.45 Uhr (laut Reiseführer) wieder zurück nach Cuenca fahren soll. Fährt aber nicht, erklärt man uns. Man müsse nach Ingapirca, das Dorf, laufen und von dort einen Bus nehmen. Einmal umsteigen müsse man auch. Also schnallen wir die Rucksäcke auf und laufen los. Unterwegs frage ich ein Backpackerpärchen, wo die Busse abfahren und erfahre, dass die Busse aufgrund von Bauarbeiten weiter unten abfahren. Auch kein Problem. Die Landschaft ist schön, das Wetter ebenfalls und bergab geht's auch noch. Will man mehr?
Das Gesicht des Inka.

Nach etwa einer halben Stunden lockeren Fußmarsches erreichen wir ohne Probleme den Bus, der uns für unschlagbare 50 Cent in eines der nächsten Dörfer befördert. Gut, der Bus klingt, als würde er jeden Moment das Getriebe verlieren, aber dafür schaukeln wir schön langsam durch die Dörfer der indigenen Bevölkerung und vor allem durch eine sehr schöne Landschaft. Irgendwann stoppt der Bus abrupt und der Fahrer ruft: Wer nach Cuenca wolle, müsse jetzt umsteigen. Also, so sinngemäß. Also mitten auf der Hauptstraße raus aus dem einen und rein in den anderen Bus. Und zurück nach Cuenca. Alles kein Problem. 
Bilanz des Tages: 29 $ gespart (pro Person) und über John geärgert. Könnte schlimmer sein.

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