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Endlich wieder Fußball!

Vorm Stadion.

Fußball in Ecuador ist anders. Aber nur ein bisschen. Zum Beispiel wird auch hier mit 11 gegen 11 gespielt, nicht immer bis zum Ende, aber immerhin. Etwas anders ist zum Beispiel das Ticketing. Das besteht im wesentlichen aus fliegenden Händlern, die vorm Stadion auf und ab laufen und Tribuna, Tribuna rufen. Denen drückt man dann fünf Dollar in die Hand und kann dafür ins Stadion. Emelec gegen Independiente. Gegengerade.

Das Stadion sieht aus wie viele Stadien auf der Welt, nur eben ein bisschen älter. Nachdem wir uns Plätze gesucht haben, wird mir erklärt früher hätte es hier auch Sitzschalen gegeben, aber die hätte Stadtrivale Barcelona bei der letzten Niederlage samt und sonders entfernt. Soso. Komplett eingezäunt sind wir auch. Mir ein Spiel durch ein Gitter anzuschauen ist tatsächlich ziemlich ungewohnt.


v.l.n.r. Malou, Carla, Josè und ein Deutscher.

 Vor dem Spiel laufen allerhand Händler durch die Reihen und verkaufen Erdnüsse, Eis, Cola und sogar Bier. Obwohl Sonntag ist. Der Fußball hat eigene Gesetze (nen Fünfer ins Phrasenschwein bitte!). Kurz vor dem Spiel gibt es eine Durchsage, die Josè freundlicherweise übersetzt. Eine besonders begeisterungsfähige Fangruppierung - sowas wie Ultras, obwohl das eher frei übersetzt ist - feiert Geburtstag und alle sind eingeladen. Der Verein bezahlt. Sowas.

Zum Einmarsch der Gladiatoren wird auf den Rängen Pyrotechnik gezündet und dann geht's endlich los. Endlich wieder Fußball! Emelec in blau gegen Independiente in pink. Ein Spieler von Independiente spielt in einer Mischung aus Radlerhose und Hot Pants. Ungewohnt. Vielleicht hat er schon genug Kinder.


Jemand ein Eis?

Das Spiel ist ganz ansehnlich und es geht rauf und runter mit leichten Vorteilen für Emelec. Irgendwann fällt dann ein Tor und wenn die Stimmung am Anfang schon gut, war dann ist sie jetzt schon schwierig zu beschreiben. Zwei Minuten später gibt's Rot für einen Spieler von Independiente und die Leute rasten förmlich aus. Nochmal zwei Minuten später der nächste Platzverweise. Diesmal muss ein Spieler von Emelec vom Feld. Da wird's dann etwas ruhiger.

Halbzeit, ich muss aufs Klo und benutze es auch. Einige andere erleichtern sich direkt unter der Stadiontreppe. Das Schlimmste was man über die Klos sagen kann ist, dass die in Bochum auch nicht besser aussehen. Pissrinnen in Stadien sehen alle gleich aus. 


Blick hinters Tor.

Wiederanpfiff. Weiterhin geht's rauf und runter und das Spiel wird härter. Nach jedem Foul wird sich minutenlang auf dem Boden gewälzt und gejammert. Hände werden gen Himmel geworfen. Fußball in Ecuador ist nichts für Weicheier.

Nach einer übersehenen Abseitsstellung, die beinah zum Ausgleich führt, formieren sich spontan zehn Zuschauer zu einem Lynchmob und wollen dem Linienrichter ans Leben. Das, sagen meine Begleiter, sei der Grund für die hohen Zäune. Nachvollziehbar.

Nach einer oscarreifen Darbietung gibt es noch zwei rote Karten. Eine für den der gefoult hat und eine für den Schauspieler. Neun gegen neun. Wenn das so weiter geht muss bald Kleinfeld gespielt werden.

Es geht dann aber doch nicht so weiter. Dafür wird die Stimmung aber immer besser, je näher wir dem Abpfiff kommen. Der Emelec Anhang macht einen Lärm, der mit Worten nicht zu beschreiben ist. Dabei sind das gar nicht so viele. 28.000, wenn überhaupt. Und: Nein! Die Südtribüne ist nicht so laut und auf Schalke ist es auch leiser. Nach dem Abpfiff gibt es dann offensichtlich überhaupt kein Halten mehr. Leute hüpfen, singen und umarmen sich. Ein völliges Tollhaus. Das Stadion bebt als hätte Emelec gerade die Copa Libertadores gewonnen. Mindestens.

Fußball in Ecuador ist anders. Zumindest ein bisschen.


Tor für Emelec. Und das ist auf der Gegengeraden.

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