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Zum Polarkreis und darüber hinaus

Der 17. Mai in Norwegen



Es ist einsam, als wir von unserem Übernachtungsplatz im Nirgendwo wieder zurück auf die E6 rollen. Noch einsamer als sonst. Es dauert über eine halbe Stunde bis uns ein Auto entgegenkommt. Wir durchqueren vereinzelte Dörfer, die wie verlassen in der Frühlingssonne liegen. Fast könnte man meinen, wir wären allein auf der Welt. Aber nur fast, denn an jedem Haus – wirklich an jedem – hängt an diesem Tag die norwegische Fahne. Es ist der 17. Mai, norwegischer Nationalfeiertag.

Etwas später auf unsere Tour hat mir eine Norwegerin erklärt, was an diesem Tag eigentlich genau gefeiert wird. Es ist die norwegische Verfassung, die am 17. Mai 1814 in Eidsvoll verabschiedet wurde. In ihren Worten schwingt Stolz mit. Stolz auf ihr Land, vor allem aber Stolz auf die Art und Weise, wie die Norweger ihren Nationalfeiertag begehen. Keine Waffen. Kein Militär. Kein Säbelrasseln. Nur Umzüge, friedlich und fröhlich. Viele Männer tragen einen Anzug und viele Frauen eine Tracht. 

Es wäre sicherlich interessant diesen Tag in einer größeren Stadt zu erleben und an den Umzügen und Feierlichkeiten teilzuhaben. Aber größere Städte sind Mangelware in der einsamen Bergwelt zwischen Trondheim und Bodo. Und so schieben wir uns durch enge Täler und vorbei an verschneiten Bergkuppen immer weiter gen Norden. Das eigentliche Ziel des heutigen Tages ist nicht mehr weit: der Polarkreis.


Unser Reiseführer sagt sinngemäß, es sei ein Breitengrad wie jeder andere auch, es gäbe außer Touristen, die in Form von Busladungen dort abgekippt werden, nichts zu sehen. Und schlagartig kälter werde es auch nicht.

Für den Sommer mag das zutreffen. Aber der hat noch nicht angefangen. Je näher wir dem Polarkeis kommen, desto dichter wird die Schneedecke. Das hat natürlich nicht nur mit der geographischen Breite zu tun, sondern vor allem mit der Höhe über dem Meer, aber trotzdem, es fühlt sich komisch an, mitten im Mai durch eine tiefverschneite Landschaft zu fahren. Vielleicht auch weil die wenigen Autos, die einem an diesem Tag begegnen, fast ausschließlich mit Wintersportlern besetzt sind.

Am Polarkeis selbst ist nicht viel los. Ein paar vereinzelte Wohnmobile aus aller Herren Länder, die für ein Foto und einen Kaffee kurz hier anhalten und Norweger, die auf Skiern zu Wanderungen in die umliegende Bergwelt aufbrechen. Klingt so als gäbe es nicht viel zu sehen am Polarkreis.


Irrtum! Es liegen an diesem Tag noch gut eineinhalb Meter Schnee. Eineinhalb Meter! Solche Schneemassen habe ich überhaupt noch nicht gesehen und wir fühlen uns wie auf einer echten Polarexpedition. Also ziehen wir Wanderschuhe und dicke Socken an, setzen Emil in die Kraxe und unternehmen einen kleinen Spaziergang im Tiefschnee. Obwohl der Schnee blendet und man höllisch aufpassen muss, um nicht alle paar Meter bis zu den Knien zu versinken, macht das alles unglaublich viel Spaß.

Als wir müde und ausgepowert sind, kehren wir zum Wohnmobil zurück. Mittagessen! Rührei mit Krabben. Fantastisch! Anschließend gibt es noch einen kurzen Stopp im Souvenirladen, wo wir uns im wesentlichen mit den gelangweilten Verkäufern unterhalten. Es ist einfach überhaupt nichts los an diesem Tag und ganz Norwegen scheint in einem Zustand kollektiver Entspannung versunken zu sein.

Fazit: Wer Einsamkeit, Weite und Schnee sucht, dem sei der Polarkreis im Mai empfohlen.

Habt ihr auch schon mal einen Nationalfeiertag in Norwegen (oder ganz woanders) erlebt? Was waren eure Erlebnisse und Eindrücke?


 Links


Wenn euch interessiert, wie man den 17. Mai in Oslo, oder in kleineren Kommunen verbringt und/oder sich einen dazu passenden Schokokuchen backt, schaut bei Janine von nenija.com vorbei, die dort von ihrem Leben als Teilzeitwikingerin berichtet. Außerdem mag sie Hamster. Das ist grundsätzlich sehr sympathisch.

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