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Fast echte Wikinger zum Anfassen



Sabine von reisespatz.de hat unter dem Motto: Die besten Reiseziele für Familien in Europa zu einer Blogparade aufgerufen und weil das thematisch gerade passt, werde ich mit diesem Post daran teilnehmen. Der beste Ort zum Verreisen mit Kindern ist für mich ein Wikingermuseum in Nordnorwegen.

"Gerüchte über meine Assimilierung sind stark übertrieben." [Jean-Luc Picard]

Borg. Nicht die Borg. Auch nicht der Björn, und schon gar nicht der Andy. Einfach nur Borg. So wie es ja auch Tiffanys heißt und nicht Die Tiffanys. Heinz Strunk Leser wissen das. Nun ist Borg aber weder eine Tanzkapelle, noch eine Gruppe kybernetischer Wesen aus der Zukunft, sondern ein Ort auf den Lofoten, der auch noch ein tolles und unfassbar kinderfreundliches Wikingermuseum sein Eigen nennt.



Wie kinderfreundlich dieses Museum ist, bemerken wir gleich am Anfang, als wir unsere Audio-Guides ausgehändigt bekommen. Ein winkigeresk gewandeter Mann erklärt uns im nächsten Raum befinde sich ein Traktor und wenn Emil, zum Zeitpunkt unseres Besuches 14 Monate alt, sich gern mal auf den Traktor setzen möchte, dann sei das okay. Ebenso, fährt der Mann fort, sei es okay, wenn Emil sich im Haupthaus in eines der Betten legen möchte. Überhaupt, wenn er etwas anfassen möchte, dann sei das in Ordnung. 


Wir gucken ein bisschen komisch. So viel anfassen sind wir nicht gewohnt, erst recht nicht in Museen. Im nächsten Raum steht dann tatsächlich der versprochene Traktor. Natürlich steht der nicht nur so da. Dieser Traktor hat seinerzeit beim Umpflügen der Felder die ersten Relikte aus der Wikingerzeit ans Tageslicht befördert, und dafür nun einen Ehrenplatz im Museum erhalten.

Lebensweise und Weltbild der Wikinger


Das Museum besteht aus drei Teilen. Der erste Teil ist das eigentliche Museum (inklusive Traktor). Es gibt Videos über die Ausgrabungen und ebenso über die Lebensweise und das Weltbild der Wikinger. Zusätzlich gibt es, in einem separaten und leicht abgedunkelten Raum, Originale, wie Schmuck oder Werkzeuge. Und Waffen. Es sind schließlich immer noch Wikinger über die wir hier reden. Die Audio-Guides geben Auskunft über die Lebensweise über Feste, Bräuche und die Organisation der einzelnen Herrschaftsgebiete.

Dafür, dass man das auch als Eltern eines 14 Monate alten und mit großer Neugier und noch größerem Bewegungsdrang ausgestatteten Kleinkindes genießen kann, sorgt die Tatsache, dass alles gut hinter Glas gesichert ist. Und zur Not steht ja nebenan immer noch der Traktor.


Der zweite Teil besteht aus einem Nachbau des größten jemals in Skandinavien freigelegten Wikingerhauses. Die Überreste des Originals können ebenfalls bestaunt werden. Praktischerweise gleich nebenan. Vielmehr als ein Wall und das Fundament einiger Pfeiler ist allerdings nicht mehr zu sehen. Der Zahn der Zeit und so...

Um das Haupthaus herum gibt es Schweine, Kühe, Schafe und Pferde. Genau wie bei den Wikingern und toll für Kinder. Das Großartigste daran ist aber, dass die Tiere nicht Streichelzoo-artig da sind um die Kinder zu beschäftigen, sondern um das Leben und Wirken der Wikinger zu illustrieren.

Kräuter, Stockfisch, Bogenschießen


Im Haupthaus selbst, leben Mitarbeiter des Museums die Lebensweise der Wikinger vor bzw. nach. Es gibt verschiedene Räume in denen zum Beispiel ganze Büschel von Kräutern von der Decke hängen. Oder Stockfisch an der Wand. Es ist – immer noch – Nebensaison und die Mitarbeiter sind ein bisschen gelangweilt. Ich glaube es ist genau diesem Umstand geschuldet, dass ich die Möglichkeit bekomme, mich tiefer in die Physik des Bogenschießens hinein zu denken (mehr dazu in einem der folgenden Posts). 



Hier gilt: Mitmachen statt angucken! Dinge in die Hand nehmen. Anschauen. Drehen. Riechen. Fühlen. Schmecken bestimmt auch. Also wenn man will...

Dem Museum gelingt es dabei drei Dinge auf herausragende Weise miteinander zu Kombinieren: Wissen, Unterhaltung und Kinderbetreuung. Wobei letztere darin besteht, dass keine benötigt wird. Das Museum lebt und will erlebt werden. Alle Mitarbeiter geben freundlich Auskunft, weshalb man selbst mit dem Museum und den Ausstellungsstücken bzw. den Replikaten interagiert.

Moderne Museen wollen offenbar weg vom Image staubiger Glaskästen und ausgestopfter Tiere, oft aber gelingt das eher mittelmäßig. Nicht so im Wikingermuseum von Borg. Alles wirkt echt, obwohl natürlich nicht alles echt ist, schon klar. Was aber tatsächlich echt ist, ist die Begeisterung der Mitarbeiter für die Geschichte und Kultur der Wikinger.

Entspannte Eltern - entspannte Kinder


Und das, genau das, ist für Kinder interessant. Anfassen, Ausprobieren, Mitmachen. Selbst mit Kleinkindern ist das Museum so abwechslungsreich gestaltet, dass es nie langweilig wird. So kann man auch als Eltern verhältnismäßig entspannt durch das Museum schlendern. Entspannte Eltern, entspannte Kinder.

Der dritte und letzte Teil des Museumskomplexes besteht aus dem Nachbau eines Drachenbootes, der nach einer kurzen Wanderung erreicht werden kann. In der Hauptsaison kann man mit diesem Boot auch über den See schippern. Für uns geht das leider nicht, aber es gibt ja immer noch eine alte Schmiede zu bestaunen, die sich ganz nach Art der Wikinger etwas entfernt der Hauptgebäude befindet. Feuergefahr. Aber auch sonst ist der Spaziergang interessant. Es ist immerhin Norwegen und da ist atemberaubende Natur gewissermaßen garantiert.



Der Knüller kommt allerdings zum Schluss. Aufgrund eines kleinen Malheurs müssen wir unseren ersten Besuch leider abbrechen. Ist aber auch kein Problem, heißt es von den Mitarbeitern, die Eintrittskarten seien eine Woche gültig und wir könnten innerhalb dieser Zeit gern wieder kommen um uns alles zu Ende anzuschauen. Man müsse sich ja auch nicht immer alles auf einmal anschauen.


Links

Das Wikingermuseum in Borg bei visitnorway.comwikivoyage.org und wikitravel.

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Kommentare

  1. Hallo Tim,
    super, dass du bei meiner Blogparade mit diesem schönen Beitrag mitgemacht hast. Vielen Dank!
    LG, Sabine

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    1. Hallo Sabine,
      ist ja auch ein interessantes Thema für eine Blogparade. Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat.

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