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Die Physik des Pfeileverschießens

Douglas Fairbanks Robin Hood 1922 film poster
Kennt ihr das? Man hat sich in mühevoller Kleinarbeit aus Holz und Gummizug einen Flitzebogen gebaut, stundenlang den Pfeil angespitzt und steht jetzt in Nachbars Garten, Pfeil und Bogen auf ein Huhn gerichtet. Dann lässt man den Bogen los, der Pfeil saust durch die Luft und trifft... so ziemlich alles, nur nicht sein Ziel. Und das, obwohl das Huhn nur einen Meter entfernt stand. Robin Hood für Arme. Für ganz Arme!

Die gute Nachricht ist: es gibt Gründe dafür, dass der Pfeil sein Ziel verfehlt hat, physikalische Gründe. Die schlechte Nachricht ist, dass man fürs erste hungrig bleibt, weil das Huhn nur kurz Poak, Poak macht und dann weiter stolziert. Weil ich aber ein von Grund auf positiver Mensch bin, konzentriere ich mich hier auf die Physik des Pfeileverschießens. Wenn ihr Hunger habt, könnt ihr euch ja schnell 'ne Pommes holen...

Die Pfeile unserer Kindheit sind ja üblicherweise aus Holz, genau wie früher bei den Wikingern und genau das ist auch der Grund dafür, dass ich alles über die Kunst des Pfeileverschießens genau hier lerne: im Wikingermuseum von Borg. Ich treffe dort einen wikingeresk gewandeten jungen Mann, der gerade dabei ist Pfeile herzustellen. Das interessiert mich sofort und er erklärt mir alles, was ich wissen will.

Es ist nämlich so: Es ist verdammt schwierig ein Stück Holz zu finden, das exakt gerade ist. Und selbst wenn einem das gelingen sollte, steht man immer noch vor dem Problem das Holz arbeitet. Das mag ein etwas esoterisches Statement sein, aber der Kern der Aussage ist, dass Holz empfindlich auf Änderungen von zum Beispiel Temperatur und Luftfeuchtigkeit reagiert. In der Folge verzieht es sich und ist eben schon wieder nicht mehr gerade. Ein vernünftiges Geradeausschießen (z.B. auf Hühner) ist damit unmöglich. Die Flugbahn ist einfach zu instabil.

Was also tun?


Klarer Fall, die Flugbahn muss stabilisiert werden. Aber wie? Mit Federn! Das habt ihr bestimmt schon mal gesehen, dass da am Ende von Pfeilen so Federn dran sind. Und die sind nicht da, damit der Pfeil hübscher aussieht, sondern damit er besser fliegt. Da kann man aber nicht irgendwelche Federn nehmen. Möwenfedern zum Beispiel wären gut, erklärt mit der junge Mann. Viel wichtiger aber ist, dass man entweder nur Federn vom linken Flügel oder nur Federn vom rechten Flügel nimmt.

Das liegt an der Krümmung der Flügel, die ähnlich wie bei einem Flugzeug dafür sorgt das der Vogel in der Luft bleibt. Montiert man diese Federn nun an einen Pfeil, streicht die Luft darüber und versetzt den Pfeil in Rotation. Falls PEGIDA mitliest: Er dreht sich. Und genau diese Rotation sorgt für eine Stabilisierung der Flugbahn.
Nun sind die Federn vom rechten und linken Flügel (klingt jetzt sehr nach Fußball, aber egal...) in entgegengesetzte Richtung gekrümmt, und sorgen deshalb auch für eine entgegengesetzte Rotation des Pfeiles. Benutzt man also Federn vom rechten und linken Flügel eines Vogels, weiß der Pfeil nicht wohin er rotieren soll und fliegt zielstrebig am Huhn vorbei (siehe oben).

So jetzt könnt ihr losziehen und euch Pfeile bauen mit denen ihr auch trefft. Aber vorher: Wegklicken.

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Das Museum liegt auf den Lofoten und wir haben dort sehr viel über Kultur, Leben und Weltbild der Wikinger gelernt. Außerdem gab es fast echte Wikinger zum Anfassen.

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