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Es werden Posts vom August, 2015 angezeigt.

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Das ist Schweden

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Als ich im Daftö Camping Resort morgens aus dem Wohnmobil hüpfe, blinzelt die Sonne verlegen durch den Dunst. Einzelne Nebelschwaden erheben sich aus der trägen Ostsee. Die Luft ist kalt und klar. Ich kann meinen Atem sehen. Aber irgendwas ist anders. Nur was? Ich halte die Nase in die Luft. Nichts.
Das Gras vielleicht? Ich gehe in die Hocke und streiche mit der Hand darüber. Wie immer. Grün, kalt, feucht, moosig. In einiger Entfernung gesellt sich eine Elster zu mir und beobachtet mein Tun. Ich halte inne und schaue den Vogel an. Der schaut leicht schräg über den Schnabel zurück (wie Elstern eben gucken). 
„Wahrscheinlich“, denke ich. „Sieht das ganz schön bescheuert aus.“
Verstört beginne ich mit dem Abbau. Zuerst der Strom. Stecker ziehen, Kabel rollen und dann alles genau so im Kofferraum verstauen, wie man es entnommen hat. Alles andere führt unweigerlich zur Katastrophe.
Dann ist der Hochstuhl dran. Sorgsam die Beine abbauen. Eines der Beine in der Hand umrunde ich das Wo…

Die Felszeichnungen von Tanum

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Preiselbeeren sind Teil des Problems, nicht der Lösung
Urlaub in Schweden ist wie ein Besuch bei ikea, denke ich, komme dann aber nicht so richtig weiter. Also mit Denken. Das liegt daran, dass mich stereotype Situationen immer überfordern. Wenn zum Beispiel amerikanische Familien am Straßenrand stehen und auf Blechdosen schießen, oder Asiaten mit zehn Köpfen Chinakohl unterm Arm aus dem Biomarkt kommen, dann macht mich das tendenziell etwas ratlos. Also von vorn: Schweden ist wie eine Portion Köttbullar... [Was mit Pommes] ... Nee, auch nix. Ich gucke frustriert auf meinen Teller. Preiselbeeren. Warum in aller Welt Preiselbeeren?

Eine gründliche Inspektion unseres Gepäcks hat ergeben, dass folgendes fehlt: ein Teekessel, eine Kasserolle und eine Tasse. Eine aus Porzellan. Seit über einer Woche schlürfe ich meine Heißgetränke aus einem Melaminbecher. Das ist als würde man aus einem Zahnputzbecher trinken. Immer. Das ist furchtbar. Wie furchtbar? Ganz furchtbar. Wirklich ganz, ganz, ga…

Göteborg

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Gentrifizierung und Skagenröra

Obwohl wir keine genau Route ausgearbeitet haben, gibt es doch einige Etappenziele, die wir auf unserer Reise anlaufen wollen. Göteborg ist das erste. Für die zwei Nächte, die wir dort verbringen wollen, haben wir Liseberg Camping Askim Strand ausgesucht. Ein relativ großer und sauberer Platz direkt am Wasser mit unfassbar freundlichem Personal.
Als ich morgens zur Rezeption stapfe, um die Check-In Prozedur abzuschließen, werde ich nach der Nummer unseres Platzes gefragt. Ordnung muss schließlich sein. Auch beim Camping. Ich habe natürlich keine Ahnung, welche Nummer unser Platz hat. Wieso auch? Emma (so heißt die nette Frau an der Rezeption) und ich peilen dann mal aus dem Fenster und nehmen eine grobe Abschätzung vor. Wir liegen weniger als zehn Prozent daneben. Erfreulich. Aber naja, Ordnung muss sein (siehe oben) und so muss ich nochmal zurück und die richtige Nummer angeben. Dafür bekomme ich aber noch allerhand Informationen, wie ich am besten in…

Von Grenaa nach Varberg

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Der Prolog ist vorbei - die Tour beginnt
Wir stehen mit unserem Wohnmobil vor dem Ticketbüro der Stena Line in Grenaa und blicken ungläubig aus dem Fenster. Die Regentropfen fegen fast senkrecht über den Parkplatz und in einiger Entfernung klatscht die Ostsee in imposanten Brechern gegen die Kaimauer. Wir wollen mit der Fähre nach Schweden. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt das stürmische Wetter der letzten Tage seinen Höhepunkt erreicht.
„Soll ich da jetzt rausgehen?“, frage ich. „Wer denn sonst?“, sagt Birte. „Emil?“
Guter Punkt. Also ziehe ich meine Regenjacke über und stapfe mutig ins Ticketbüro, um mich nach Plätzen und Preisen für die Überfahrt zu erkundigen. Es wären sogar noch Plätze frei sagt man mir. Ich blicke aus dem Fenster und erkundige mich mal lieber wie es am Tag darauf aussieht. Da sei auch noch was frei. Im Grunde genommen, erklärt man mir, sei eigentlich immer was frei. Nebensaison.

Wie es denn mit dem Wetter aussähe, frage ich, während am Ticketschalter nebenan ein…

Deus ex machina

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Über Bremen ins südliche Dänemark (Teil 2)
Eigentlich ist es noch ein bisschen früh in der Geschichte, um einen deus ex machina auftreten zu lassen. Das müsste später kommen. Und die Situation müsste verfahrener sein. Zum Beispiel so: Ich hänge am Nordkapfelsen und halte mich mit nur zwei Fingern fest. Warum ich da hänge? Ja... das weiß ich jetzt auch nicht so genau... Ich könnte abgerutscht sein... oder ein Bär, oder ein Elch ... oder so??? Na jedenfalls, ich hänge da und dann kommt auch ganz dramatische Musik und so. Und dann: Kameraeinstellung von oben auf mein Gesicht. Ich gucke total angestrengt. Und da-hann...  Nee, halt! Erst passiert noch was Anderes. Ein Schnitt nämlich. Auf ein Häschen. Ein blaues. Das sitzt so rum und mümmelt teilnahmslos an einem blauen Blumenkohl. Schnitt. Eine serbokroatische Volkstanzgruppe. Schnitt. Ein Zug fährt in einen Tunnel. Schnitt. Eine Rakete startet. Schnitt. Eine alte Frau sitzt an einem Holztisch und schält Rüben. Schnitt. Winnetou.

Und ers…