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Mit Wikipedia vor Ort im Raumfrachter


Über Bremen ins südliche Dänemark (Teil 1)


Der eingefleischte Fan sagt WoMo, aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das liegt vielleicht daran, dass der Vermieter in einem fort von einem Reisemobil gesprochen hat. Eine eigenartige Wortschöpfung, die dem Laien - also mir - suggerieren soll, dass man in dem Ding zwar reisen, aber nicht wohnen kann. Verwirrend. Kann aber auch sein, dass einfach nur fahrendes Volk (Bader, Scherenschleifer, Musikanten, Politiker...) davon abgehalten werden sollen, sich dauerhaft darin einzunisten.
 
Selbsterklärend. Eigentlich jedenfalls.
Das sind die Gedanken, die mir kommen, als ich von Wietmarschen-Lohne über die A31 in Richtung Dortmund zuckele. So in etwa jedenfalls, denn es gibt noch eine weitere Frage, die mich umtreibt: Wie fährt es sich eigentlich, so ein Wohnmobil?

Ganz genau, wie ein PKW. Zumindest laut Vermieter. Naja... Eher wie ein Mischung aus Rasenmäher und klingonischem Raumfrachter. Außerdem ist das Ding unfassbar windanfällig, was an diesem böigen Tag besonders auffällt. Es ist der 30. April. Donnerstag.

Wir fuhren zunächst langsam, die vom Händler - im Übrigen ein Gentleman erster Güte - empfohlenen 90 km in der Stunde nicht überschreitend, was Zeit ließ, eine Landschaft zu betrachten, in der es außer Ackerbau, Milchvieh und ererbter Sturheit nichts zu entdecken gibt. Fast nichts! Denn in Höhe einer Ortschaft mit Namen Ochtrup regte sich ein Tier am Straßenrand, welches sich so wunderbar unpassend in die Landschaft einfügte, dass es sogleich meine Aufmerksamkeit erregte: ein Mitglied der Familie der Macropodiae. 

Es sind moderne Zeiten in denen wir leben, gewiss, dennoch gehört ein Känguru nach meinem Dafürhalten nach Australien und nicht in die Grenzregion zwischen Emsland und Westfalen. Lediglich in Berlin soll es ein Exemplar geben, das zu allem Überfluss auch noch den Kommunisten das Wort redet. Ein unerhörter Zustand. 

Und so kann ich nicht umhin mein vorschnelles Urteil zu revidieren. Den Gesetzen der Logik folgend kann es sich nur um Lepus europaeus gehandelt haben. Gleichwohl um ein riesenhaftes Exemplar mit einer Körpergröße von einem Meter zwanzig und mehr. Bis in meine Träume hinein bedauere ich es, nicht geistesgegenwärtig zur Büchse gegriffen und das Tier erlegt zu haben. Eine Erwähnung in der Monatsschrift der königlich-preußischen Jagdgesellschaft wäre mir gewiss gewesen.

    [Auszug aus Rogers Reisetagebuch]

Den ersten Mai verbringen wir komplett mit Putzen und Beladen. Natürlich passt nicht alles so ins Wohnmobil, wie wir es geplant haben. Dass die eigens angeschafften ikea Boxen nicht quer, sondern nur längs in den Kofferraum passen, ist dabei nur ein Detail von vielen. Viel schlimmer ist, dass der nagelneue Kindersitz nicht hinter den Tisch passt. Da helfen alle Beteuerungen des Vermieters, dass das bestimmt passen werde wenig. Jetzt haben wir das Wohnmobil ja gemietet. Für acht Wochen. In guten wie in schlechten Tagen. Oder so ähnlich. 

Wikipedia vor Ort (in Lesum)


Am ersten Mai pünktlich um 20.23 Uhr brechen wir auf. Ziel: Nordkap. Route: halbgar. Lediglich der Kilometerstand bietet ein wenig Sicherheit: 53.818 km. 

Unser erstes Ziel heißt Lesum. Das liegt bei Bremen und an einem kleinen Fluss, der auch Lesum heißt. Das ist praktisch, da muss man sich nicht so viel auf einmal merken.

Lesum ist ein eigenartiger Ort. Zumindest ein bisschen, denn neben einem hervorragenden und günstigen Stellplatz für Wohnmobile (5 Euro pro Nacht), gibt es auch eine Veranstaltung, die sich wikipedia vor Ort nennt. Jeden zweiten Dienstag im Monat. Was die da wohl machen? Mysteriös...

Wir hatten ja nichts

 

Außerdem steht eine Wahl vor der Tür. Auf ihren Plakaten fordern die Parteien, was Parteien auf Plakaten eben so fordern. Mehr Geld, bei weniger Arbeit und Vollbeschäftigung, dazu Sonnenschein und 25° im Schatten. Wahlweise mit oder ohne Ausländer. Je nach Ausrichtung.

Hat Recht: die Partei Die Partei.
Eine Ausnahme macht lediglich die Partei Die Partei. Die fordern Mindesthirn für alle. Endlich mal eine Forderung, der ich mich anschließen kann. Außerdem: die Partei Die Partei, die hat immer Recht. Als Ossi weiß man das. Wir haben das schon mit der Muttermilch eingesogen. Oder mit dem künstliche hergestellten Ersatzprodukt. Wir hatten ja nichts!

Ich kann mich an einen Herbst erinnern, in dem es keine Dienstage gab. Schlichtweg nicht lieferbar. Oder ein Komplott? Von Schalck-Golodkowski in den Westen verkauft? Zur Devisenbeschaffung? Man weiß es nicht...

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