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Das am wenigsten nützliche Gepäckstück

Immer dabei, andauernd genutzt: Der Reiseführer. Nützliches Hilfsmittel bei Reisen in ferne Länder. Nicht so bei uns. Warum sich unsere Ausgabe Lonely Planet - Ecuador und Galapagosinseln als nutzloser Ballast entpuppte.

Ich und der Reiseführer vor der Kirche von San Francisco.

Zugegeben: Ein wenig euphorisch waren wir schon, als unser Reiseführer Marke Lonely Planet plötzlich in unserer Post auftauchte. Wir hatten mit der Ausgabe zu den USA gute Erfahrungen gemacht und uns deshalb für ein Buch aus ebendieser Reihe entschieden. Zusätzliche Zuversicht (man beachte die Alliteration!) verlieh die Tatsache, dass es sich um eine brandneue Auflage vom Dezember 2012 handelte. Auf dem Buchrücken prangte dann auch noch ein Angebersticker, der behauptete das Buch sei komplett neu recherchiert. Ausgerüstet mit einer solchen Wunderwaffe der modernen Reiseliteratur konnte ja eigentlich nichts schief gehen. Pah, von wegen!

 

 Der erste Hinweis


Den ersten Hinweis auf die tatsächliche Nutzlosigkeit dieses Reiseführers bekamen wir schon am ersten Tag in Guayaquil. Als wir JM auf die Feiern zum Geburtstag von Simon Bolivar ansprachen, die laut Buch kurz bevorstanden, antwortete JM, diese Feiern würden in dieser Form schon seit mindestens fünfzehn Jahren nicht mehr stattfinden. Wir wunderten uns ein bisschen, aber um Lenny Leonard von den Simpsons zu paraphrasieren: Jeder macht Fehler, deswegen gibt es Bleistifte mit Radiergummis. Auf der anderen Seite waren wir schon ein wenig genervt, als wir am folgenden Tag durch das nächtliche Cuenca liefen und nach einem Restaurant suchten, welches nur in den Karten unseres Reiseführers zu existieren schien. 
Darüber hinaus schien der Reiseführer eine eigenartige Fixierung auf die Wandfarbe von Hotelzimmern zu haben. Anstatt die vier relevanten Fragen Sauber? Eigenes Bad? Heißes Wasser? Englisch? zu beantworten ergingen sich die Autoren lieber in Betrachtungen über Farbe und Einrichtung. Da ist dann von farbenfrohen Zimmern oder dem Einsatz der Farbe blau die Rede.

Hervorragende Tipps


Aber auch die Tipps innerhalb des Reiseführers erwiesen sich immer wieder als echte Highlights. In einem kleinen Hotel, das wir nur aufgrund des Tipps im Lonly Planet auswählten, war der Besitzer/einzige Mitarbeiter bei unserer Anreise bereits sichtlich stoned. Gut es war natürlich auch schon sechs Uhr abends. Als wir den Herren dann darum baten uns ein Taxi zu rufen, griff er nicht etwa zum Telefon, sondern marschierte mutig auf die Straße um uns ein Taxi herbeizuwinken. Geklappt hat's nicht.
Aber es gab natürlich auch hilfreiche Tipps. So soll man zum Beispiel das Wasser aus der Quilotoa Lagune nicht trinken. Ach wirklich? Wo ich doch sonst von allen Gewässern in Südamerika gekostet habe.
Ebenso wird das Restaurant Tiki Limbo als eines der besten in Montanita empfohlen. Was? Der Laden? Dass es kein Rindfleisch gibt, habe ich seit den Zeiten des seligen Erich H. nicht mehr erlebt. Bei Fisch und Meeresfrüchten kann ich das ja noch nachvollziehen, aber bei Rindfleisch? Vor- und Hauptspeise waren eher so Mittelklasse und der Nachtisch (Maracuja Cheesecake) eine Katastrophe biblischen Ausmaßes.

Trinken oder nicht trinken?
 

Im Land der schwangeren Männer


Auch sonst hat sich uns der vielgerühmte Rasta Vibe in Montanita nicht erschlossen. Oder bestand er vielleicht lediglich in einem Phänomen, das man am besten mit dem Begriff Schwangere Männer umschreibt? Es scheint dort nämlich große Mode zu sein, dass man sich als Mann (40+) das T-Shirt oberhalb der Bierplauze aufrollt um sich anschließend selbst wie eine Schwangere über den Bauch zu streicheln. 
Dass der sicherlich gut gemeinte Naturführer Galapagos an der wirklich unpassendsten Stelle im Ganzen Buch untergebracht ist, erscheint bei den restlichen Verfehlungen schon fast wie eine Randnotiz. Durch die unintelligente Platzierung mitten zwischen Karte und Hotelbeschreibungen von Puerto Ayora muss das Ding jedesmal überschlagen werden, wenn man dort ein Hotel sucht. Echt nervig.

Quito, Stadt der Verfehlungen


In Quito beleidigten wir einen Taxifahrer schwer, weil wir seine Preise aus Unkenntnis über unseren Aufenthaltsort für völlig überzogen hielten. Wir befanden uns am neuen Flughafen, dachten aber wir wären am alten. Natürlich waren zwei von drei Reiseagenturen, bei denen wir unsere Tour nach Quilotoa buchen wollten plötzlich spurlos verschwunden. Eine neue wirklich ausgezeichnete Agentur, bei der wir dann tatsächlich buchten, wurde allerdings nirgendwo erwähnt. Wahrscheinlich war die einfach nicht abgeranzt genug, zu seriös und zu preiswert. 
Auf unserem Spaziergang durch Quito verpassten wir dann auch noch eines der Highlights einen fehlenden Stein in der Kirche von San Francisco. Von diesem Stein und der dazugehörigen Legende (mal sehen, ob ich die nachliefern kann) erfuhren wir erst durch JM. Traurige Leistung für einen Reiseführer. 
Im Zusammenhang mit Quito war auch von Stierkämpfen die Rede, die alljährlich zu einer bestimmten Festivität stattfinden. JM schüttelte darüber nur den Kopf. Stierkämpfe seien seit zwei Jahren in fast ganz Ecuador verboten. Komplett neu recherchiert. Na sicher doch!

 

Taxis in Guayaquil 


Am schlimmsten aber empfand ich die fehlende Warnung vor Taxis in Guayaquil. Sinngemäß hieß es im Reiseführer, es gäbe genügend. Ja, sicher es gab genügend, aber waren die auch sicher? Unserer Erfahrung nach: NEIN! 
JM gab mir für meinen Aufenthalt zwei wichtige Hinweise. Der erste lautete: Wenn etwas komisch schmeckt iss es um Gotteswillen nicht auf! Der zweite war: Nimm niemals (NIE! NIE! NIE!) ein Taxi auf der Straße von Guayaquil! Das klingt vielleicht paranoid, aber die Tatsache, dass JM uns immer - wirklich immer - ein Taxi über die Zentrale rief, spricht Bände. Darüber hinaus wurde ein Freund von JM während unserer Zeit in Guayaquil in einem Taxi entführt. Gottseidank tauchte er wieder auf. Zwar in einem Krankenhaus und in einer anderen Stadt, aber immerhin. 
O-Ton JM: Nach Einbruch der Dunkelheit in Downtown Guayaquil in ein beliebiges Taxi zu steigen, hat alle Zutaten um entführt zu werden. 
Im Reiseführer wurde über all das kein einziges Wort verloren. Und wenn doch dann habe ich es bis heute nicht entdeckt. Im Grunde genommen wäre eine große fett gedruckte Warnung angemessen. Stattdessen war aber nur die Nummer eines Taxiunternehmens angegeben. Für den Fall, dass auf der Straße gerade kein Taxi zu finden ist.
So, und während es sich bei den meisten Episoden um Ungenauigkeiten und Recherchefehler handelt, ist die Sache mit den Taxis in Guayaquil wirklich gefährlich. Mein Urteil daher: Durchgefallen.

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