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Wale vor der Haustür

Habe ich erwähnt das gerade Paarungszeit für Buckelwale ist? Nein? Schande über mich. Es ist übrigens gerade Paarungszeit für Buckelwale. Aus diesem Grund versammeln sich vor allem im Juli und August tausende dieser Tiere vor der ecuadorianischen Küste. 
Auch für uns Grund genug uns zum Abschluss unserer Reise noch einmal an die Küste zu begeben. Zum Ausspannen, denn in den vergangenen Wochen haben wir viel unternommen und noch mehr gesehen. Zeit sich für zwei, drei Tage in eine Hängematte zu legen und die Seele baumeln zu lassen. Sollten wir dabei auch noch einen Wal sehen umso schöner.
Die Fahrt von Quito nach San Josè gestaltet sich allerdings schwierig, denn es gibt keinen direkten Bus dorthin. Selbst in das einigermaßen in der Nähe gelegene Puerto Lopez gibt es nur einen Nachtbus. Die sollten allerdings gemieden werden, da es in der jüngeren Vergangenheit häufiger mal zu Überfällen auf Nachtbusse kam. Das funktioniert dann wohl im Stile einer Straßensperre. Bus anhalten, alle raus, Wertsachen abliefern. Wenn man Glück hat wird man vielleicht nicht erschossen.
Zehn Kilometer Strand und dennoch alleine.
So nehmen wir dann eben den Umweg über Manta. Über Manta gibt es nicht viel zu erzählen, außer, dass es der Hauptanlandehafen für Thunfisch in Ecuador ist. Da wo Thunfisch angelandet wird, dost man ihn meistens auch direkt ein. Entsprechend erkennt man die Stadt Manta auch im Dunkeln ganz gut. Nämlich am Geruch. Ich dachte ja auch es wäre Unfung, aber wenn man nach Manta kommt riecht es tatsächlich so, als hätte jemand eine übergroße Dose Thunfisch geöffnet. Natürlich nicht überall. 
Am nächsten Morgen geht es weiter in Richtung San José. Von Manta aus fahren wir die Ruta del Sol entlang nach Süden. Dabei immer Blick: Das Meer und riesige Schwärme von Fregattvögeln, die sich über den Häfen der kleinen Fischerdörfchen gegenseitig die Beute abjagen. Nach etwa zwei Stunden Fahrt in einem mittelmäßig bequemen Bus erreichen wir San Josè. Zumindest sagt der Busfahrer, dieser Ort sei San Josè, denn als wir aussteigen gibt es exakt eine asphaltierte Straße die einmal mitten durch den Ort führt. Gegenüber der Bushaltestelle befindet sich eine Art Kiosk. Wir werden vom Besitzer argwöhnisch beäugt. Alle anderen Straßen sind breite Feldwege. Nicht gepflastert, nicht asphaltiert. Vor uns überquert ein streunender Hund diese Dirt Road. Wir gucken uns fragend an. Wo sind wir hier gelandet?
Unser Hotel befindet sich angeblich an einem Strand, dann ist es wohl keine schlechte Idee in Richtung Meer zu laufen. Also die Rucksäcke geschultert und losmarschiert. Als wir an einem Einkaufsladen vorbeikommen mustern uns die Einheimischen. Wir sind Fremde. Ich nehme den Leuten dieses Verhalten übrigens nicht übel. Ich komme vom Dorf und bin mir sicher, dass zwei Ecuadorianer mit Rucksäcken in meinem Heimatdorf ähnliche Blicke ernten würden. 
Allerdings gibt es in Ecuador ein einfaches Rezept gegen diese Blicke. Ein Lächeln und ein freundliche Hola!, Buenos Dias! oder Buenos Tardes! und die Menschen lächeln zurück und freuen sich, dass man sich gerade in ihre Gegend verlaufen hat. So auch in San Josè. Mittlerweile ist mein Spanisch gut genug, um den Weg nach unserem Hotel zu erfragen. Wahrscheinlich mit haarsträubender Grammatik, aber ich erfahre, was ich wissen will und wir verlaufen uns nur einmal. Beim Verstehen der Wegbeschreibung bin ich dann doch noch ein bisschen auf Hände und Füße angewiesen. 
Balkon, Hängematten, Meerblick.
Als wir im Hotel ankommen werde ich mit den Worten, ich wäre also Tim begrüßt. Was ist jetzt los? Eilt mir mein Ruf voraus? Die Erklärung ist dann aber viel einfacher. An diesem Tag kommen nur zwei Gäste im Hotel an und der andere Gast kommt aus Guayaquil. Ich sehe aber aus, als käme ich aus Europa, da kann man nichts machen. Mysterium geklärt. 
Das Hotel Cuna Luna, in dem wir nächtigen ist übrigens der absolute Wahnsinn. Es besteht aus vier strohgedeckten Hütten, mit je zwei Zimmern und befindet sich an einem zehn Kilometer langen Sandstrand. Das Beste an diesem Strand ist jedoch die Tatsache, dass man darauf beinah alleine ist. Außer uns verteilen sich auf den zehn Kilometern keine 100 Menschen. Einsamer kann ein Strand fast nicht mehr sein. Wahnsinn. 
Als wir uns zum einem Snack im Restaurant des Hotels niederlassen (dieses Restaurant ist fantastisch!) überblicken wir das Meer. Noch ehe das Essen kommt zuckt Birte zusammen: Ich glaube ich habe einen Wal gesehen!
Angespülter Seestern.
Irritiert springen wir auf, die Frau vom Hotel übrigens auch, und gehen ans Fenster. Und tatsächlich, vor einer kleinen felsigen Insel spritzt das Wasser in mächtigen Fontänen in die Höhe. Kein Zweifel: Ein Wal!
Während wir essen sehen wir noch mindestens ein weiteres Exemplar, dessen mächtigen Rücken wir aus dem Wasser auf und wieder abtauchen sehen. Wir beschließen instantan ein Whale Watching Tour zu machen, aber davon erzähle ich beim nächsten Mal.

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