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Tausend mal probiert....

... tausend mal ist nichts passiert. Tausendundein Versuch, und fast beklaut worden! Aber der Reihe nach. Der nächste Stopp auf unserem Weg durch die Anden heißt Riobamba. Die Fahrt dorthin führt über spektakuläre Bergpässe bei denen die Bremsen der Busse dann auch gern mal komisch riechen. Besser man macht sich darüber keine allzu detaillierten Gedanken. Der Bus fährt natürlich durch, also kann man entweder 6 Stunden nicht auf die Toilette oder man muss sich auf einer der halsbrecherischen Abfahrten auf dem Klo im Bus erleichtern. Beides hat eine ganz eigene Qualität.
In Riobamba werden wir einfach an irgendeinem ziemlich beliebig erscheinenden Kreisverkehr rausgeworfen. Sich da ein Taxi zu angeln ist auch nicht so einfach und es klappt erst als Birte endlich mal die große (also für hiesige Verhältnisse) blonde Frau Karte ausspielt.

Unser Hostel ist sauber und günstig. Lediglich der Besitzer/einzige Mitarbeiter ist ein wenig creepy und erinnert von seinem ganzen Gebahren und seiner Fistelstimme stark an Klaus Kinski. Außerdem riecht er erschreckend nach Wunderbaum. Er lässt uns dann aber doch leben.

In Riobamba ist wenig los. Es gibt ein paar Geschäfte und einen Bahnhof. Jedesmal wenn ein Zug ankommt scheint das ein echtes Highlight zu sein. Ein tatsäschliches Highlight ist allerdings der Zug selbst. Der sieht nämlich aus, als hätte man bei einem amerikanischen Schulbus die Reifen geklaut und ihn auf die Schienen gehievt. Der Chimborazo, gewissermaßen der Taufpate dieses Blogs und höchster Berg Ecuadors, gibt die launische Diva und hüllt sich in Wolken.
Tageshighlight in Riobamba: Ein Zug erreicht den Bahnhof.
Allerdings ist samstags Markt, auf dem es eine Menge Zeugs zu kaufen gibt. Vieles davon ist aus Alpaccawolle. Zwei ganze Schweine werden in großen Pfannen gebraten und stückweise zum Verzehr angeboten. Auch einen Schamanenstand gibt es. Dort stehen allerhand eingelegte Pflanzen rum und ein Plakat erklärt den Unterschied zwischen einer gesunden und einer geschädigten Leber. Krebs kann man hier offensichtlich ebenfalls heilen lassen. Das Besondere an dem Markt: Wir sind nicht nur die einzigen Europäer, die sich dorthin verirrt haben, sondern zeitweise auch die einzigen Nicht-Quechua. Spannend.
Schamanenstand auf dem Markt von Riobamba.
Dann passiert es. Plötzlich stehe ich inmitten von fünf Frauen und komme nicht mehr vorwärts, was absurd ist, weils rechts und links eigentlich genug Platz ist. Außerdem sehe ich von keiner der Frauen das Gesicht. Wie auch, die reichen mir ja gerade mal bis zur Brust. Irgendwie drängeln die dann immer mehr und ich ewarte, dass man mir jeden Augenblick eine übelriechende Flüssigkeit über die Klamotten kippt. Von der Masche habe ich nämlich mehrfach gelesen.

Und irgendwann: Zack! Weg wieder frei. Gottseidank kommt mir die Nummer so komisch vor, dass ich instinktiv nach meinem Portemonaie greife. Weg! Scheiße, was jetzt?

Dem Himmel sei Dank, dass ich nicht nachdenke, sondern direkt irgendwas rufe und hinter den Trullas hinterher renne und mir eine von denen packe und ihr sage sie solle mein Geld wieder rausrücken.

Nur um das klarzustellen. Einen wirklichen Verlust stellt das nicht dar. Im Portemonaie sind 20 $. Die können sie für Schnaps ausgeben. Mit meinem Perso können sie auch nichts anfangen, denn Keiner in Riobamba ist 1,77 m. Trotzdem irgendwie ein beschissenes Gefühl.
Typisches Bild auf den Märkten: Schwein am Spieß.
So. Und während die Frau noch betont unbeteiligt tut, zeigt ein Standbesitzer auf meine Brieftasche, die auf dem Boden neben seinem Stand liegt. Aufheben. Kurzer Check: Alles noch da. Puh. Glück gehabt.

Was dann passiert ist aber fast noch spannender, denn innerhalb von Sekunden hat sich eine Menschentraube gebildet. Einer will die Polizei rufen. Und mindestens drei erzählen gleichzeitig irgendwas. Natürlich auf Spanisch und wir verstehen kein Wort. Eines haben aber alle gemeinsam: Eine geballte Faust, mit der sie auf imaginäre Taschendiebe eindreschen. Scheint sowas wie ein Rat zu sein: Wenn man beklaut wird, direkt und ohne Androhung körperlich werden. Offensichtlich hat keiner der Händler auf dem Markt ein Interesse daran, dass Touristen beklaut werden. Wieso auch? Wenn sich das rumspricht, kommen keine mehr und sie werden ihre Waren nicht mehr los. Alle sind wirklich sehr nett und hilfsbereit und die glücklosen Taschendiebe längst über alle Berge, erkannt hätte ich davon sowieso keinen.

Als wir uns von der ersten Versammlung lösen, bildet sich spontan eine zweite und erzählt alles noch einmal. Vermutlich. Zumindest sind die Gesten die gleichen.

Tja, und jetzt Ursachenforschung. Wie kann es sein, dass doch nichts fehlt. Vielleicht habe ich schnell genug reagiert. Vielleicht hat aber auch einer der Händler was gemerkt und reagiert. Vielleicht ist meine Brieftasche zu unübersichtlich. Wahrscheinlich hatte ich aber einfach nur Glück. Puh!

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