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Der HNO-Arzt des Teufels

Und zurück nach Alausi. Das ist das Motto des Tages, denn ab Riobamba kann man leider nicht zur Narriz del Diabolo (Nase des Teufels) fahren. Bekackter Reiseführer!

So schlimm ist dann aber doch nicht, denn die Fahrt von Riobamba nach Alausi führt über eine malerische Hochebene mit Wäldern, Feldern und Tieren (Schweine, Hühner, Schafe, Esel, Rindviecher). Die Berge ringsum sehen aus wie mit einem Flickenteppich überzogen. denn an Steilhängen, die man in Europa maximal noch zum Skispringen  benutzen würde, werdem hier immer noch Kartoffeln, Mais und Quinoa angebaut. Überhaupt ist der Wachstumszyklus faszinierend: Halbreife Kartoffeln neben einem frisch gepflügten Feld und daneben überreifer Mais.

Ankuft in Alausi. Das ist eine kleine Ortschaft, die irgendjemand ziemlich dicht an den Rand einer Schlucht gebaut hat. Landschaftlich reizvoll würde ich schreiben, wenn das hier ein Reiseführer wäre. Hauptattraktion sind ein Standbild von San Pedro dem Schutzpatron der Stadt und die täglichen Züge zur Nase des Teufels. Nach dem Teufelsschlund, nun also die Nase. Spannend. Der HNO Arzt des Teufels. Klingt wie ein schlechter Western. Passend dazu habe ich eine richtig dicke Erkältung. Nase zu. Rachen schmerzt. Gegen alles von Gelbfieber bis Typhus bin ich geimpft und dann bekomme ich eine stinknormale Erkältung. Galgenhumor des Lebens.
In Alausi werden die Bananen noch staudenweise verkauft.

Nachdem wir unser Hotel bezogen haben, machen wir uns auf den Weg über den Markt. Der ist noch viel größer als der in Riobamba, zieht sich durch die ganze Stadt und ist noch weniger touristisch. Hier gibt es wirklich alles, womit man sich den Bauch vollschlagen kann. Riesige Kürbisse, ebenso große Kohlköpfe (kein Scheiß!). Tomaten, Tomatillos, Erdbeeren, Brombeeren, Orangen, Bananen (grün, gelb und rot), Fisch, Mais, Reis, Kartoffeln (mehrere eher bunte Sorten) und Blumenkohl. Und ich liste hier mal nur den Bruchteil an Zeugs auf den ich benennen kann. Dazu passend: Töpfe, Pfannen und riesige Schöpflöffel. Auf einem riesigen Platz garen zwei ganze Schweine vor sich hin.

In einer Markthalle gibt es auch eine Fleisch- und Wurstwarenabteilung. Hier gibt's alles, vor allem aber Füße. Von Rindern, Schweinen und Hühnern. Deren Köpfe liegen nett drapiert auf der Theke. Ein Rinderkopf ist oben offen. Jemand hat das Hirn entfernt. Vor unseren Augen wird ein Schwein zerteilt. Ich komme vom Dorf und derartige Anblicke schocken mich wenig. Der Vollständigkeit halber: Meerschweinchen sehen wir nicht.

Die Zugfahrt zur Nase des Teufels ist nach dem spannenden Erlebnis auf dem Markt leider ziemlich enttäuschend. Nachdem man seinen Reisepass präsentiert hat (Terrorgefahr?), fährt man zwar durch eine ziemlich spektakuläre Landschaft, aber alles mutet an wie auf einer Kaffeefahrt. Im Zickzack geht's runter nach Sibambe. Am dortigen Bahnhof erwartet uns schon eine Tanzgruppe. Meine Güte, muss das sein?

Zunächst fahren wir aber am Bahnhof vorbei zu einem Aussichtspunkt. Alle raus. Fotos machen. Angeblich: Guter Blick auf die Nase des Teufels, nur ich sehe die nicht. Da vor uns erhebt sich ein sehr großer Klumpen Fels, aber das war es dann auch. Spontan kommt ein Mann auf einem Pferd angallopiert. Zufälle gibt's!
Ich sehe beim besten Willen keine Nase! Ihr?

Irgendwann beschließe ich, dass der Teufel viele Gesichter hat. Warum nicht auch eines mit einer Nase, die aussieht wie ein Fels. Dann geht's zurück zum Bahnhof. Eine Stunde Aufenthalt. Häh?!? Eine Stunde? Was soll man hier eine Stunde machen? Gut man könnte das Pferd streicheln, oder das Alpacca. Hm,... Nö!

Die Folklore Tanzgruppe tanzt und wir steigen schnell eine Treppe nach oben, während der Rest ins Bahnhofrestaurant stürmt um die Essensmarken gegen Nährschlamm zu tauschen. Faustregel: Antizyklisch agieren.

Irgendwann sind sie satt (und hoffentlich trocken) und steigen ebenfalls nach oben. Wir steigen hinab. Immer noch eine halbe Stunde. Unten haben sich die ersten Touristen unter die Tanzgruppe gemischt. Gelebte Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Ich möchte brechen, kann aber nicht! Furchtbar! Schrecklich! Was würde der HNO Arzt des Teufels tun? Schießen vermutlich. Na besser nicht.

In Ermangelung echter Erlebnisse musste ich dann leider am Zug posen.

Dann benutzen auch wir unsere Gutscheine. Saft und Früchte. Und zurück nach Alausi. Jetzt läuft Werbung für andere Zugtouren auf einem Bildschirm und kein Mensch guckt mehr auf die Landschaft. Anschließend gibt es Lehrfilme. Erst für Kinder: Nicht an den Schienen spielen! Keine Münzen drauflegen! Dann für Erwachsene: Nicht auf den Schienen parken (wir werden noch einen Busfahrer erleben, der genau das tut!)! Keine Tiere an den Schienen anbinden...

Bilanz: 25 US$ pro Person. Dafür hätte ich auf dem Markt drei Kilo Schwein essen können. Und Durchfallmedikamente für eine Woche wären auch noch drin gewesen. Naja, zumindest hat keiner Rheumadecken verkauft.
Und weil in Sibambe wirklich nichts zu sehen ist, konnte Birte auch noch posen.

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