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Der gute alte Ikarus 256

Der gute alte Ikarus 256, die Älteren werden sich erinnern, taugt immer ganz gut zum Vergeleich. Generell taugt die DDR ganz gut als Vergleich: Alles was komfortabler ist als die Deutsche Demokratische Republik ist akzeptabel. Einfache Faustregel. Aber der Reihe nach.
Mein Bus verließ Rio pünktlich um 8 Uhr morgens. Vorbildlich. Was den Komfort anging, konnte die Fahrt meine durch das Internet gehobenen Erwartungen nicht erfüllen. Wie gesagt in etwa so komfortabel wie ein Ikarus 256, allerdings mit mehr Beinfreiheit und Sitzen die man tatsächlich ziemlich nach hinten klappen kann.

Und mit Klimaanlage. Allerdings diente die vornehmlich als Flusenschleuder. Zumindest zeitweise. Egal. Augen zu und durch. Wie der Brasilianer überhaupt sobald er im Bus sitzt die Augen zu macht und schläft. Was soll er auch machen? Um 19 Uhr wird's ja dunkel und das "Leselicht" im Bus fällt eher in die Kategorie Funzel. Also schnarcht pünktlich um 20 Uhr eine ganze Busladung Brasilianer friedlich vor sich hin. Ich übrigens auch.

Interssant dabei: Manche Busse in Brasilien verfügen sogar über Wi-Fi. Meiner natürlich nicht.
Bis Sao Paulo (die ersten sieben von 23 Stunden), saßen wir übrigens zu zehnt im ansonsten leeren Bus. Äußerst angenehm. In Sao Paulo stiegt dann Hoyt (gesprochen Hoidsch oder so...) zu. Leider habe ich kein Foto, aber ich male euch mal ein Bild: Camouflage Hose und Mütze mit der Aufschrift "Police". T-Shirt mit Werbung einer Waffenfirma und strapazierfähige Boots. Alles klar?

Hoyt erzählte mir er sei auf dem Weg nach Paraguay. Auf meine Frage was er dort mache sagte er, er würde dort arbeiten. Er, Hoyt Rockefeller (den Nachnamen kann man jetzt glauben oder auch nicht) sei im Import Geschäft. Was er importiert weiß ich leider nicht. Fernseher vielleicht.
Hoyt erklärte mir auch, dass die Polizei in Paraguay äußerst korrupt sei. Alles sei kein Problem, wenn man nur genügend Geld habe. Na dann...

Wie dem auch sei, Hoyt war an sich kein unangehmer Nachbar und kümmerte sich beinahe rührend um mich, also auf männlichen Skalen. Soll heißen er übersetzte mir die Ansagen des Fahrers. Auf dem zweiten von drei(!!!) halbstündigen Stopps - der Brasilianer an sich fährt duch - kaufte er einen Playboy und zeigte mir eine Menge Töchter berühmter Väter, die sich dort haben ablichten lassen.
So. Da stehe ich dann also an einer Raststätte und muss mir mit Hoyt den Playboy angucken. Und das in einem Land in dem man auch gern mal den Pabst auf dem Titel hat. Absurd absurd absurd.
Naja, was soll ich noch groß erzählen? Ich bin angekommen. Das allein zählt ja. Und obwohl die Busfahrt, vor allem auch Dank Herrn Rockefeller, eine lohnende Erfahrung war: Man kann die Strecke auch fliegen...

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