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Buenos Dias Argentina!


Nach einer durchwachten Nacht am Flughafen von Asuncion empfängt mich Buenos Aires mit Raureif und einer anständigen Portion Bodennebel. Über allem eine irgendwie bleiche Sonne. Winter im Juli. Fühlt sich komisch an. Nachdem ich im Hostel eingecheckt habe, begebe ich mich als erstes in die Avenida Florida. Ich muss Geld tauschen. Hoffentlich nehmen die meine Guarani überhaupt an. Auf der Avenida Florida, im wesentlichen eine sehr lange und sehr volle Einkaufsstraße, prostituieren sich Geldwechsler. Ihr Schlachtruf: Dollar, Real, Cambio, Cambio, Cambio!

Josè hat mir vor meiner Abreise in Paraguay gesteckt, ich solle meine Dollar zu einem speziellen Blue Tarif tauschen. Das sei so eine Art Schwarzmarkt, nur eben nicht soo schwarz. Blue eben. Nach 30 Stunden ohne Schlaf ist es mir aber zu heikel mich von einem der Typen anquatschen zu lassen. Außerdem hat Josè versprochen den Kontakt zu einem Freund herzustellen, der zur Zeit in Buenos Aires lebt, welcher mir dann bei der ganzen Aktion behilflich sein soll.

Das Barbie-Traumhaus


Nachdem ich meine Guarani los bin haue ich mich erstmal aufs Ohr. Nach dem Aufwachen gibt's ein frühes Abendessen und einen ersten Spaziergang durch das dämmerige Buenos Aires. Am Ende der Plaza de Mayo steht ein pink illuminiertes Gebäud, was für den Platz einen ganz netten Effekt macht. Später erfahre ich, dass das, was da leuchtet wie Tante Paula's Bordell, der Präsidentenpalast ist. Unkonventionell.

Am nächsten Morgen habe ich endlich Augen für die Stadt. Vorher muss ich mir noch das Gerede von Scott, einem 53-jährigen Amerikaner anhören, der mich ungefragt mit Informationen über die Galapagos, seiner Lebensgeschichte sowie mit Anzahl und Alter der Frauen versorgt, mit denen er auf seinem Trip schon was hatte. Erstes interessiert mich sehr, zweites solala und drittes überhaupt nicht. Überhaupt sei das mit den Frauen hier viel leichter. Und in Cusco gäbe es diesen speziellen Vibe, allerdings müsse man dafür offen sein. Ich als Wissenschaftler wäre das wohl nicht. Das hat er richtig erkannt.



Vorne kahl, hinten grün. Verwirrend.

Buenos Aires ist schön. Nach dem heruntergekommenen Asuncion und dem chaotischen Rio, strahlt die Stadt etwas Aufgeräumtes aus. Die Straßen und Gebäude erinnern an europäische Metropolen mit Blüte im 19. Jahrhundert. Berlin. Dresden. Wien. Vor allem aber: Paris.

Aber es sind nicht nur die Gebäude selbst, sondern vor allem auch die Anlage der Straßen. Die Prachtstraße Avenida de Mayo läuft vom Präsidentenpalast auf der einen, quer durch die Innenstadt, bis zum Kongress auf der anderen Seite. Vor beiden Gebäuden befinden sich wie selbstverständlich großzügig angelegte Plätze mit Standbildern diverser Personen und Ereignisse. Lichtdurchflutet wirken sie wie Lichtugen im Großstadtdschungel der schmalen und von hohen Gebäuden gesäumten Straßen.


Präsidentenpalast im Hellen. Man erwartet ein Ständchen, aber es kommt keins.


 Eine Albernheit


Gutgelaunt umrunde ich den Präsidentenpalast, der bei Tag ein weniger verstörendes Bild abgibt. Man erwartet lediglich, dass jeden Moment ein Fenster aufgeht, Evita rausguckt und ein Liedchen trällert. Genug Balkone dafür gibt's ja.

Ich treffe ein Gruppe Jugendlicher die gerade ein Foto macht. Ich biete ihnen an das Foto zu machen. Kurz nachdem sie mir erklärt haben, wie man mit dem Handy ein Foto macht, laufe ich weg. Beziehungsweise ich tue so. Da gucken sie dumm. Dann finden sie es aber doch komisch, denn anstatt mir eins auf die Nuss zu hauen lachen sie mit.


Mittagspause auf der Plaza de Mayo.

Meine Mittagspause verbringe ich anschließend auf der Plaza de Mayo, wo sich über mir eine Horde Wellensittiche um die besten Plätze streitet.

Mein Treffen mit F. ist für den Nachmittag angesetzt. Da ich bis dahin aber auch irgendwie über die Runden kommen muss, lasse ich mich auf einen der Marktschreier auf der Avenida Florida ein. Ich frage nach seinem Kurs, der deutlich über dem liegt, was mir eine offizielle Wechselstube zahlen würde und folge ihm. Er führt mich in eine Passage und dort zu einem Laden, dessen Fenster von innen abgeklebt sind. Besonders einladend ist das nicht. Als er aber die Tür aufmacht sind in dem Laden nur zwei Frauen. Eine junge hinter einer Art Schalter und eine alte die anscheinend alles überwacht. Ich schiebe 20 Dollar über den Tresen und bekomme dafür 150 Peso. Nicht schlecht eigentlich.



Kongressgebäude am anderen Ende der Avenida de Mayo.

Später am Tag treffe ich mich dann mit F. Statt uns allerdings in einer dunklen Ecke zu treffen, gehen die Scheine mitten in einem Starbucks über den Tisch. Quote 1:8,58. Das ist 40% besser als bei offiziellen Quellen. Ich frage, wer denn bei solchen Geschäften einen Gewinn machen würde. F. sagt er wisse das auch nicht. Er sei Ecuadorianer und hätte zuhause auch Dollar.  Hier seien die Leute aber einfach verrückt auf Dollar. Für ihn sei das gut und der Rest irgendwie auch egal.

Wir reden noch eine Weile. Über die Vulkane in Ecuador zum Beispiel. Der Tugurahua, sagt F., sei wieder aktiv und es sei schon cool wenn so ein Vulkan Geräusche mache. Wie ein Donnern in der Erde höre sich das an. In Banos könne man sogar das Kochen der Lava hören.


Ein Traum von einem Steak


300 Gramm feinstes Fleisch. Beilag: Spinat. Geil!







Den  Gewinn des Tages beschließe ich in etwas typische argentinisches anzulegen: Steak (Vegetarier können jetzt aufhören zu lesen)!

Ich ordere bife de lomo mit Spinat und einer Soße. Was dann kommt ist allerdings kein gewönhliches Steak, sondern eine auf den Punkt zubereitete, herrlich zarte Sinfonie aus 300 g allerfeinstem Rindfleisch. Die Soße, die ein wenig an Hollandaise erinnert, rundet den Fleischgeschmack aufs Allerfeinste ab. Der Spinat, mit Knoblauch und einer Art Käse angemacht, ist auch ganz hervorragend. Das Fleisch ist in der Tat so gut, dass die Kuh wahrscheinlich freiwillig gestorben ist. Herrlich!

Je weiter ich mich ins Innere vorarbeite, umso roter wird das Fleisch. Perfekt, perferkt, perfekt! Ganz im Kern fließt dann ein letztes bisschen Blut. Ein Gedicht von einem Steak, so gut, dass ich sogar meine Mütze abnehme.
Ja, doch... Buenos Aires gefällt mir. 

Mehr Argentinien


San Martin, San Martin

An meinem dritten Tag in Buenos Aires, habe ich ein naturhistorisches Museum besucht. In Teilen sah es dort ein bißchen aus, wie in Hogwarts. Was sonst noch passiert ist lest ihr am besten selbst.

Wie ich nach Argentinien rübermachte

Mein Besuch auf der argentinischen Seite der Wasserfälle von Iguacu, die sich zu einer der interessantesten Busfahrten meines Lebens entwickelte...

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